Schalke – Magdeburg 5:3: Königsblaue Ekstase auf dem Rasen und den Rängen
22. Februar 2026Der FC Schalke 04 gewinnt das Samstagabend-Topspiel mit einem Offensivspektakel mit 5:3 (2:1) gegen den auswärtsstarken FC Magdeburg. Die Freude über das Spiel und die Rückeroberung der Tabellenspitze entlädt sich beim Gang der gesamten Mannschaft in die Nordkurve, anschließend wird hinter der Kurve noch bis spät in die Nacht gefeiert. Susanne Hein-Reipen berichtet…
Das Wetter ist ausbaufähig, aber das hat Schalker noch nie am Besuch ihres Tempels gehindert. Weil die Polizei die Begegnung als Hochrisikospiel eingestuft hat, gibt’s wieder kilometerlange Sichtschutzzäune und etliche Drohnen, die die Anreise der Fans überwachen, doch alles bleibt friedlich.
Karius muss passen
Im Vorprogramm wird die königsblaue Legende Rüdiger „Abi“ Abramczik von Sportvorstand Frank Baumann zu seinem 70. Geburtstag geehrt. Leider geraten die Dankesworte des Jubilars zur Nebensache, weil wie immer eine Stunde vor Anpfiff die königsblaue Startelf bekanntgegeben wird: Stammkeeper Loris Karius muss kurzfristig mit Rückenbeschwerden passen, so dass überraschend der in der Winterpause geholte Kevin Müller ranmuss. Nach dem ersten Schreck setzen aber alle darauf, dass der Routinier das schon vernünftig hinbekommen wird.
Dementsprechend freundlich wird Müller begrüßt, als er sichtlich konzentriert mit Siebeking zum Warmmachen aufläuft. Am Mikro von Dirk und Jörg gibt’s derweil die Ergebnisse der Frauen- und Knappenschmiedeteams. Die Aufstellung der Gäste wird verlesen, dann gibt es, ungewöhnlich früh, auch bereits die Schalker Aufstellung. Chefcoach Miron Muslic vertraut zunächst Müller, Ndiaye, Kurucay, Katic, Becker, Schallenberg, El-Faouzi, Aouchiche, Karaman, Ljubicic und Dzeko.






Das Steigerlied sorgt für Gänsehaut
Als nächstes heizt Florians-Frontman Arnd Kotlenga mit dem Königsblauen S 04 live die Stimmung auf, bevor es endlich wieder heißt „Licht aus zum Steigerlied in 3 – 2 – 1…“. Ein Gänsehautmoment, der auch bei Wiederholung nichts von seiner Faszination verliert.
Das Vereinslied „Blau und Weiß, wie lieb ich Dich“ wird dann wieder mit Licht und vollem Schal- und Stimmeinsatz geschmettert, während die Mannschaften auf das Spielfeld kommen. Magdeburg hat Anstoß; während sich die Teams zunächst abtasten – Heimstärke trifft auf Auswärtsstärke – legt die Nordkurve sehr lautstark mit „Eine Stadt erstrahlt in Blau“, „Steht auf, wenn Ihr Schalker seid“ und „Schalke ist die Macht“ vor.
Führung und prompte Antwort
Nach zwei fruchtlosen Schussversuchen durch El Faouzi (6.) und Kurucay (12.) bringt die erste nennenswerte Aktion die Schalker Führung: Dzeko bedient Aouchiche, der sich an Ulrich vorbeitankt und aus spitzem Winkel abzieht. Der Schuss wird noch von Hugonet abgefälscht und segelt am verdutzen Reimann vorbei zum 1:0 in die Maschen (15.). Die Arena bejubelt Aouchiche als Torschützen, in die Statistik wird es aber wohl als Eigentor eingehen.
Doch der Jubel ist noch nicht ganz verklungen, da muss Müller auf der Gegenseite auch einen Ball aus dem Netz holen. Nollenberger und Zukowski marschieren weitestgehend unbehelligt von der Schalker Abwehr Richtung Strafraum und Nollenberger vollendet den Doppelpass mit einem schönen Schlenzer zum 1.1 (17.). Keine Chance für Müller.
Also alles wieder auf Anfang. Die Nordkurve supportet weiter mit „Auf geht’s Schalke kämpfen und siegen“ und „Für Deine Farben“, dazwischen meldet sich der gutgefüllte Gästeblock mit „FCM!“ zu Wort. Nach einer kurzen Schockphase berappeln sich auch die Schalker Spieler wieder und suchen den Weg nach vorne. Aouchiche (23.), Ljubicic (25.) und Dzeko (37.) erspielen sich Chancen, haben aber noch kein Schussglück.






Dzeko trifft
„Steht auf, wenn Ihr Schalker seid“, „Attacke“ und „Geh‘n mit Dir auf jede Reise“ sind jetzt angesagt, dann richten sich wieder alle Augen auf Dzeko. Karaman spielt den Ball nach links zu Aouchiche und flankt in den Strafraum, wo sich Dzeko gegen Nollenberger durchsetzt und mit einem lehrbuchmäßigen Kopfball zur 2:1-Führung einnickt (30.). Jaaaaaa! Auf dem Würfel sieht man Miron Muslic triumphierend die Faust ballen.
Sofort wehen „Unsere Fahnen im Wind, weil wir deutscher Meister sind…“, doch in der zweiminütigen Nachspielzeit heißt es noch einmal tief durchatmen, denn Zukowski (knapp vorbei) und Michel (Latte) haben den erneuten Ausgleich auf dem Fuß. Aber die Führung hat Bestand und so geht es mit hörbarem Applaus Richtung Kabinen.
Mit „Jetzt können wir plötzlich Angriffsfußball, dafür haben wir hinter Löcher“ bringt ein Schalker beim Pausenbier auf den Punkt, was nahezu alle denken. In der Fanbox regiert wie immer der Optimismus, dann wirbt Thomas Kirschner für „Fanbelange aktuell“ für den nächsten Mitgliederkongress am 7. März und das Kabinengespräch mit Youri Mulder. Auch der Designerwettbewerb für Schalker Merchandising freut sich auf weitere Entwürfe.
Turbulente zweite Halbzeit
Schalke kommt unverändert wieder auf den Rasen, bei den Gästen ersetzt Trainer Sander Pesch und Mathisen durch Musonda und Gnaka. Und nach nicht einmal 120 Sekunden reißt es bereits alle wieder von den Sitzen, denn nach einer Schalker Ecke klatscht der Ball im Strafraum an den Arm von Hercher, der insgesamt souveräne Schiedsrichter Gerach zeigt sofort auf den Punkt. Karaman vollstreckt souverän zum 3:1 (49.).
Aber Schalke wäre nicht Schalke, wenn es so einfach wäre, und so fällt 04 Minuten später der erneute Anschlusstreffer für den FCM durch einen schönen Volleyschuss von Zukowski, das 3:2 in der 53. Minute. Sofort ertönt „Steht auf, wenn Ihr Schalker seid!“. Timo Becker sieht Gelb für ein taktisches Foul (55.); dann klingt „Immer wieder S 04“ in den regnerischen Nachthimmel.






Es geht einige Minuten hin und her, dann erobert „Maschine“ Katic an der Mittellinie den Ball und startet eine sehenswerte Kombination, an deren Ende das Leder bei Dzeko landet, der in die Mitte zieht und millimetergenau zu Ljubicic zurücklegt, der sich mit dem 4:2 bedankt (65.). Und nach diesem Treffer bleibt nicht nur der obligatorische schnelle Gegentreffer aus, nein, Kapitän Karaman setzt noch einen drauf, schnappt sich einen verunglückten Rückpassversuch von Musonda und erhöht auf 5:2 (69.). Ist. Datt. Schön!
Die Schalker in der mit 61.378 Zuschauern nahezu ausverkauften Arena sind jetzt endgültig euphorisiert und stimmen den „Mythos vom Schalker Markt“ an, endlich auch unter Beteiligung der bisweilen etwas passiven anderen Tribünen. Muslic nimmt mit einem Dreifachwechsel – Ayhan, Sylla und Sanchez für Becker, Ljubicic und Kurucay – etwas Zeit von der Uhr, kurz darauf kommt noch Gomis für Dzeko, der unter Ovationen den Platz verlässt (72./76.). Auch bei den Gästen kommen mit Tachie und Ghrieb (für Atik und Hercher) zwei frische Kräfte.
Reimann muss gegen Sylla und Aouchiche klären (74.), während die Nordkurve höhnt „Ihr könnt nach Hause fahr’n“, dann wird „Wir lieben alle nur den FC Schalke“ beschworen. Ein Freistoß für Magdeburg segelt über das Tor (80.), dann kommt Wallentowitz für Aouchiche, der für seinen engagierten Auftritt lautstarken Applaus erntet (81.): Wir sind Schalker, „asoziale Schalker“….
Nach einem Abstimmungsproblem zwischen Müller und Ayhan bringt dieser Zukowski im Strafraum zu Fall. Der Gefoulte tritt selber an und verkürzt auf 5:3 (83.). Und dies ist auch der Endstand, obwohl mit Bockhorn eine weitere frische Offensivkraft kommt und Zukowski noch einmal den Pfosten trifft (89.). Als letzte Aktion der sechsminütigen Nachspielzeit handelt sich Karaman eine unnötige gelbe Karte ein, weil er mit weit ausgestrecktem Arm einen Befreiungsschlag von Hugonet abfängt, dann ist Ende. Spitzenreiter, Spitzenreiter…!






Schulterschluss und Party mit Mannschaft und Kurve
Schalke springt durch den verdienten Sieg mit nunmehr 46 Punkten wieder auf Rang 1, Magdeburg bleibt mit 23 Zählern auf Rang 16. Die Erleichterung ist den Spielern anzusehen, als sie sich am Mittelkreis abklatschen.
Die Kurve ist begeistert vom Sieg, dem gezeigten Fußball und dem Einsatz; so war die Schalker Laufleistung mit 124,94 Kilometern sehr hoch für ein Match (und rund 7,5 km mehr als die der Magdeburger…) und so fordern sie ihre Helden mit „Komm, komm…“. Und die Mannschaft lässt sich nicht lange bitten und stürmt, angeführt vom sichtlich euphorisierten Kapitän, überschwänglich Richtung Nordkurve. Dort gibt’s zunächst ein kleines „Spitzenreiter, Spitzenreiter“-Tänzchen, dann bitten die Ultras das gesamte Team in die Kurve.
Angeführt von Karaman treten die Spieler den Gang durch den Graben an und werden begeistert empfangen, Karaman, Müller, Becker, Sanchez und Muslic strahlen auf dem Podest in die Menge. „Oh wie ist das schön, sowas hat man lange nicht geseh’n“ bringt es auf den Punkt, was alle Schalker in diesem Moment denken. Kurze Ansprache von Capo Dennis, dann zelebrieren Fans und Mannschaft gemeinsam „Schalke ist die Macht“. Weeeer geht zum HSV?! Dzeko, der glücklich in die Menge strahlt und hinterher verkündet, dass er genau wegen solcher Momente auf Schalke gewechselt sei, und Katic, der die Faust reckt, als stehe er seit Jahren in der Kurve, jedenfalls nicht. Auf geht’s Schalke kämpfen und siegen!
Als die Mannschaft in der Kabine verschwindet, geht die Party hinter der Nordkurve noch lange weiter…


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