Schalke – Fortuna 1:0: Hallo erste Liga, der S 04 ist wieder daaaa!
3. Mai 2026Der FC Schalke 04 lässt auch im vorletzten Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf nichts anbrennen und siegt durch einen sehenswerten Treffer von Kapitän Karaman verdient mit 1:0 (1:0). Nach dem Abpfiff brechen emotional alle Dämme, aber die Fans, die sich bei einem gemeinsamen Marsch auf die Begegnung eingeschworen hatten, halten sich an die Devise „kein Platzsturm!“. Susanne Hein-Reipen berichtet…
Die Ultras Gelsenkirchen hatten unter dem Motto „Für unsren Traum von Liga 1“ zum Fanmarsch eingeladen und geschätzte 20.000 Schalker strömen zum Marktplatz in Buer. Vor allem Nicht-Gelsenkirchener wissen zwar nicht so ganz genau, wo es losgeht, aber in der Gesellschaft etlicher vorfreudiger Königsblauer lässt sich das Warten gut aushalten, während sich der Platz und die umliegenden Straßen immer weiter füllen. Um kurz nach halb 5 ertönt dann eine lautstarke „Attacke“, die Menge hüpft sich warm und die Ultras schieben sich mit den Großfahnen aus Richtung Norden durch die tausenden Schalker am Beginn der De-La-Chevallerie-Straße.
Fanmarsch für alle
Kurze Ansprache, dann heißt es „Auf geht‘s Schalke kämpfen und siegen“ und der beeindruckende Zug setzt sich unter den wachsamen Augen von Polizei und Ordnungsdienst Richtung Arena in Bewegung. Von Ultra bis zur blauweißen Familie, Kinder und Rentner ist alles dabei und so geht es trotz einiger Tropfen von oben mit diversen Schalker Klassiker wie „Eine Stadt erstrahlt in Blau“, dem Eurofighterlied und „Stadion geh’n, im Pappbecher Bier…“ die Kurt-Schumacher-Straße hinunter.
An der Geschäftsstelle schwenkt der Zug dann Richtung Berger Feld, wo „Charlys Schalker“ und der nahegelegene Trainingsplatz bereits proppevoll sind. Das angekündigte Public Viewing wird später von der Polizei abgeblasen, wobei sich die Gemüter streiten, ob die Veranstaltung nicht angemeldet oder „nur“ völlig überfüllt war.
Auch an der Tausend-Freunde-Mauer freuen sich mehrere tausend Schalker auf das Spiel. Im Inneren der Arena, die extra drei Stunden vor dem Anpfiff öffnet, künden zahlreich Plakate und Transparente die traditionelle Choreo „Unterrang alle in Weiß, Oberrang in Blau“ für das letzte Heimspiel gegen Braunschweig an. Es wird auch wieder Mottoshirts der UGE geben, zu kaufen ab dem 16.5.






Die Luft brennt
Die Spannung in der mit 61.587 Zuschauern lange ausverkauften Arena ist allgegenwärtig. Beim Fanspiel messen sich die Blau-weißen Naabtalknappen mit Blau-Weiß Lonetal, auf jedem Platz liegt ein Flyer, in dem eindringlich vor einem Platzsturm gewarnt wird. Als besonderen Service wird die Busankunft live auf dem Videowürfel übertragen, die Spieler wirken hochfokussiert.
Das Dach ist zunächst noch geschlossen, öffnet sich aber im Laufe des Vorprogramms. Beim „Minimatch“ fidelt die Schalker U10 die kleinen Fortunen mit 7:0 weg und darf mit der Kurve jubeln. Frank Baumann gratuliert Ehrenspielführer Olaf Thon im Namen des Vereins sehr herzlich zum 60. Geburtstag, dann kommen beide Torhüterteams zum Aufwärmen auf den Platz.
Großen Applaus erntet die Schalker Damenmannschaft, die den Aufstieg bereits fix gemacht hat und von Christina Rühl-Hamers eine lebhafte Laudatio bekommt, während Baumann schmunzelnd danebensteht. Und dann wird es richtig, richtig laut: Die Mannschaft kommt! Ein paar Bengalos gibt’s gratis dazu.
Blau und Weiß ein Leben lang
Nach den Ergebnissen der Frauen- und Jugendteams gibt’s als „Song des Spieltags“ „Larger than life“ von den Backstreet Boys, sehr passend! Schnell die Statistiken und die Aufstellung der Gäste hinterher, dann folgt die Schalker Formationf: Karius, Ndiaye, Kurucay, Ayhan, Becker, Schallenberg, El-Faouzi, Aouchiche, Karaman, Ljubicic und Sylla bilden zum dritten Mal hintereinander die Startelf, Rückkehrer Dzeko nimmt zunächst auf der Bank Platz.
Mittlerweile tobt sich über der Arena ein Gewitter mit Wolkenbruch aus, im Inneren wird ungestört das Vereinslied „Blau und Weiß, wie lieb ich Dich“ gesungen. Dann wird es ruhig, denn es gibt einen Nachruf für den in dieser Woche verstorbenen Manni Kreuz, letzter Meisterspieler von 1958. Auch die Fortunen sind mucksmäuschenstill, als es zum Abschuss heißt „Blau und Weiß ein Leben lang!“
Das Steigerlied darf natürlich auch nicht fehlen, dann kommen die Mannschaften auf das Spielfeld. Der gutgefüllte Gästeblock versinkt in einem roten Bengalomeer, dann pfeift Schiedsrichter Patrick Ittrich die Begegnung endlich an.






Karaman, der Mann für die wichtigen Tore
Während sich der Bengaloqualm nur sehr langsam verzieht, übernimmt die Nordkurve sofort die akustische Lufthoheit und stimmt „FC Schalke, olé-olé“, „Steht auf, wenn Ihr Schalker seid“ und „Immer wieder S04“ an. Auch auf dem Rasen ist Königsblau spielbestimmend, aber Fortuna-Keeper Kastenmeier klärt gegen Aouchiche (5.) und Sylla (7.).
Eine Ecke und ein Freistoß für Schalke bringen ebenfalls nichts ein, also muss der Kapitän ran: El-Faouzi erobert gegen Oberdorf den Ball und bedient Aouchiche, dessen Querpass bei Karaman landet. Der Kapitän legt sich die Kugel selber mit dem Oberschenkel vor und setzt einen satten Schuss genau in die rechte obere Ecke – jaaaaa! 1:0 in der 15. Minute, da erstrahlt die Stadt umgehend in Blau und Weiß, für deine Farben leben und sterben wir und Schalke ist die Macht!
Kurz darauf setzt Aouchiche einen Freistoß rechts an der Fortuna-Mauer vorbei und lässt den Außenpfosten erzittern (19.). Breithaupt sieht für ein Foul gegen Dauerläufer El-Faouzi die erste gelbe Karte der Partie (22.). Danach verflacht das Spiel ein wenig, weil Schalke die Gäste zwar sehr effektiv vom eigenen Strafraum fernhält, aber keine größeren Offensivaktionen startet. Die Stimmung ist trotzdem blendend, von „Attacke“, „Steht auf“ bis „Kohle unter unsren Füßen“ ist alles dabei. Mit einer Minute Nachspielzeit und Applaus geht es in die Kabinen.
Schalke feiert der ersten Liga entgegen
In der Fanbox wird bereits „Nie mehr zweite Liga“ beschworen, für das Team Fanbelange gibt Thomas Kirschner Einblicke in das Kabinengespräch, kündigt zahlreiche Mitmachaktionen für die Nürnberg-Fahrer an und bittet darum, sich beim Heimspiel gegen Braunschweig an die Devise „Unterrang weiß, Oberrang blau“ zu halten. Auf den Rängen wird derweil gewettet, wann Dzeko reinkommt und das 2:0 schießt.
Selbst in der Südkurve wird gezündelt, wobei nicht ganz klar wird, ob das Schalker oder versprengte Fortunen sind, die Nordkurve disst den Gästeblock jedenfalls mit Pfiffen und „Ihr seid nur ein H*rensohnverein“. Als die Gäste wieder auf den Platz kommen, werden sie mit „Absteiger, Absteiger!“ begrüßt.
Kurucay bekommt einen Pferdekuss am Knöchel ab und wird behandelt, kann aber zunächst weiterspielen. Gleiches gilt auf der Gegenseite für Kastenmeier, der von Sylla am Oberschenkel getroffen wird, dafür sieht der Schalker gelb (51.).






Karius als sicherer Rückhalt
Musikalisch sind jetzt „Unsre Fahnen weh‘n im Wind“ und die „Asozialen Schalker“ angesagt, Erwin gibt den Eintänzer, auf dem Platz darf jetzt auch Karius, der eine sehr ruhige erste Halbzeit verlebt hat, mitspielen. Der Schalker Keeper klärt zunächst vor Oberdorf, der aber wohl ohnehin im Abseits stand (56.) und packt dann eine 1:1-Glanzparade gegen den durchgebrochenen Appelkamp aus (60.). Eine Minute später schnappt er sich eine Flanke, bevor diese gefährlich werden kann.
Fortuna-Coach Ende bringt nun mit Heyer und Raimund für Breithaupt und Lenz zwei frische Kräfte. Aouchiche klammert sich etwas zu sehr an das Trikot von Appelkamp und sieht Gelb (67.), dann ist es so weiter: Superstar Dzeko feiert für den unauffälligen Ljubicic sein Comeback und wird begeistert mit „Auf geht‘s Schalke schieß‘ ein Tor“ begrüßt. Auf dem Würfel werden derweil Warnungen vor einem Platzsturm eingeblendet.
In der Arena sitzt längst keiner mehr, „Geh‘n mit dir auf jede Reise“ ist angesagt. Fortuna schöpft mit Lundal, Paulina und Sauck das Wechselkontingent aus, auch Kurucay muss angeschlagen für Sanchez Platz machen, Gantenbein ersetzt Sylla (82.). Kurz vor Ende der regulären Spielzeit hat Karaman eine große Chance zum 2:0, aber Kastenmaier lenkt das Leder gerade noch um den Pfosten (89.). Es gibt sechs Minuten Nachspielzeit obendrauf, die noch zwei gelbe Karten für Sauck und Lenz bringt und Bachmann noch einige Einsatzsekunden bringt, Aouchiche verlässt den Platz. Wenige Sekunden nach einer letzten Ecke für Schalke ertönt der erlösende Abpfiff – SCHALKE IST AUFGESTIEGEN!
Jubel, Tränen, Heiterkeit – der S04 ist wieder daaaaa!
Die Erleichterung lässt alle Dämme brechen, nicht wenige Fans haben Tränen in den Augen, während sich Spieler auf dem Rasen überschwänglich freuen. „Der S 04 ist wieder da“ und „Nie mehr zweite Liga“ werden rausgebrüllt, was für ein Finale einer so kaum für möglich gehaltenen Saison. Auch “Die Nummer 1 im Pott sind wir“ und „Ladiladiladilo…“ müssen dran glauben. Wer nicht hüpft, der ist Borusse, endlich wieder „richtiges“ Derby!
Die Mannschaft tanzt ausgelassen mit den Aufsteigershirts „Rauf geht’s Schalke“ vor der Kurve herum und wird euphorisch mit „Unsere Fahnen weh’n im Wind“ und „Schalke ist die Macht“ gefeiert, dann wird der Mythos vom Schalker Markt inbrünstig rausgebrüllt. Und doch: Bei allen Emotionen sind die Fans vernünftig genug, nicht den Platz zu stürmen, so dass Frauen und Kinder der Spieler ungefährdet mitfeiern können. Einige Kids machen sogar ihre eigene Welle mit der Kurve. Schalke ist der geilste Club der Welt!
Über den Würfel flimmern Interviews mit Schallenberg, Muslic, der seine Vertragsverlängerung bis 2028 verkündet, sowie den sichtlich gerührten Karaman und Becker. Nachdem die Mannschaft auf der Stadionrunde war, wird sie ein zweites Mal vor die Kurve gebeten, Erwin sitzt glücklich geplättet auf dem Rasen. Noch ein Gruppenbild mit der Kurve im Hintergrund, das ist Schalke 04…!
Während Florians-Frontman Kottlenga den „Königsblauen S04“ performed, albern die Schalkestars losgelöst herum, das Torhüterteam macht ein gemeinsames Erinnerungsfoto mit spacigen Sonnenbrillen, Timo Becker ist völlig aufgelöst. Später crasht die Mannschaft die Pressekonferenz und verpasst Muslic eine Bierdusche, nee, was ist dat schön!



Insgesamt 250 Fotos vom Tage gibt es hier!

Hallo Susanne,
die beste Beschreibung eines wundervollen unvergesslichen Abend.
Wie immer sehr lesenswert und authentisch beschrieben.
Danke für deine tollen Berichte in dieser für uns Schalker außergewöhnlichen Aufstiegssaison!