Paderborn – Schalke 2:3: Unaufhaltsam! Schalke überrollt auch Paderborn

Paderborn – Schalke 2:3: Unaufhaltsam! Schalke überrollt auch Paderborn

27. April 2026 0 Von Susanne Hein-Reipen

Der FC Schalke 04 lässt sich auch durch einen zwischenzeitlichen 0:2-Rückstand nicht beirren und siegt am Ende völlig verdient mit 2:3 (2:2) bei Verfolger SC Paderborn. Rund 3.000 mitgereiste Schalkefans, darunter der verletzte Verteidiger Henning Matriciani, rasten nach dem Schlusspfiff vor Freude aus. Susanne Hein-Reipen berichtet…

Bei Kaiserwetter rollt die königsblaue Karawane bereits am Sonntagmorgen Richtung Möbelhaus, pardon, Home Deluxe-Arena. Es gab mehr Anfragen für die Auswärtstickets als das gute Stück überhaupt Plätze hat… Doch auch wenn viele Schalker tickettechnisch in die Röhre schauten: Unter den 15.000 Zuschauern sind weit mehr als 10 % Gästefans, da sich viele über Paderborner Bekannte eingedeckt haben. Gut 3.000 Königsblaue feuern ihr Team frenetisch an.

Optimismus

Die Anwesenheitskontrollen laufen dieses Mal ganz gechillt auf dem Gästeparkplatz ab; der Optimismus ist nach den überzeugenden Vorstellungen in Elversberg und gegen Münster groß. Interessante Notiz am Rande: In Paderborn werden die Tickets erst nach Eingang und Security-Check kontrolliert. Und: Einmal drin, kann man beliebig zwischen den Blöcken wechseln, so dass beide Schalker Blöcke am Ende mehr als proppevoll sind. Fluchtwege sind nicht einmal mehr ansatzweise erkennbar.

Als Plus verzeichnen die Verpflegungsstände recht zivile Preise und die wohl frischesten Brötchen, die jemals in einem Fußballstadion verkauft wurden; auch die Würstchen schmecken gut. Im Gästeblock herrschen gefühlte 20 Grad Unterschied zwischen Sonne und Schatten, doch mit fortschreitender Spieldauer kommen immer mehr Schalker in den Genuss eines Sonnenbads.

Die Heimkurve schickt kurz einmal „Pa-der-born!“ hinüber, derweil spendet der Gästeblock bei der Platzbegehung einen Sonderapplaus für Coach Miron Muslic. Ein Großaufgebot plüschiger Maskottchen von Vereinen aus der Region dreht mit kleinen Paderbornern eine Stadionrunde, auch Erwin flitzt hinterher, denn die Knappenkids sind ebenfalls mit ihrer jährlichen Auswärtstour dabei.

Fußballdeutschland schaut auf dieses Spiel

Die Torhüterteams und Mannschaften kommen zum Aufwärmen raus und werden vom jeweiligen Anhang freudig begrüßt, eine kleine Attacke ist auch dabei. Der „Kinderstadionsprecher“ läutet ein Lied ein, das verdächtig nach „1. FCP, hejahejaho, der Gegner ist k. o.“ klingt. Reim Dich oder ich fress‘ Dich…

Der echte Stadionsprecher eröffnet mit „Ganz Fußballdeutschland schaut auf dieses Spiel!“ und begrüßt die Anwesenden sehr herzlich, darunter explizit auch alle Spieler, Offiziellen und Fans von Schalke. Danach folgt die Aufstellung der Gäste – Miron Muslic setzt offenbar auf „Never Change a winning team“ und beginnt wie in der Vorwoche gegen Münster mit Karius, Ndiaye, Kurucay, Ayhan, Becker, Schallenberg, El-Faouzi, Aouchiche, Karaman, Ljubicic und Sylla. Der Gästeblock beginnt, ebenfalls wie in der Vorwoche, mit dem „Traum von Liga 1“.

Nach Verlesung der Aufstellung der Hausherren folgt die Hymne mit viel „Ohoho“ und Untertiteln, die im Gästeblock wegen dröhnend lauter „Schalke 04, olé olé“-Gesänge nicht wirklich durchkommt. Als sich beide Teams nach dem Auflaufen im Kreis einschwören, gibt’s „Hurra hurra, die Schalker die sind da“ und „Um die halbe Welt sind wir gefahr’n“.

Paderborn erwischt den besseren Start

Die erste Aktion geht an Königsblau, doch Seimen kann Syllas Abschluss nach Vorarbeit von Karaman zur Ecke parieren (5.). Danach geht es ein wenig hin und her, bis Baur eine lange Flanke Richtung Strafraum schickt, die Curda per Volley zum 1:0 in die Maschen befördert (13.). Puh!

Der Gästeblock schüttelt sich einmal kurz, ist jedoch nach den Erfahrungen von Elversberg noch nicht wirklich beunruhigt und skandiert „S!0!4!“, „Geh‘n mit dir auf jede Reise“ und „Auf geht‘s Schalke schieß ein Tor!“. Das Spiel geht weiter hin und her, Karius pariert gegen Marino (24.).

Der nächste Schuss sitzt dann leider wieder: Bilbija bedient Müller, der jedoch wegrutscht und so wieder den Weg frei macht für den mitgelaufenen Bilbija. Dessen Schuss kann Karius trotz eines starken Reflexes nur nach vorne abwehren, wo Marino aus kurzer Distanz zum 2:0 abstaubt (26.).

Schalke dreht auf und das Spiel um

Doch so leicht geben sich weder Spieler noch Fans geschlagen und so wird ein wenig trotzig auf „Schalala Schalke“ und „Oppa Pritschikowski“ mit hochgereckten Schals umgeschwenkt. Und siehe da: Karaman zu Ndiaye, der eine Bilderbuchflanke ins Zentrum schickt, wo Ljubicic mit dem rechten Fuß den Anschlusstreffer zum 2:1 erzielt (35.). Die ersten Bierbecher fliegen durch den Gästeblock, dazu leuchtet es an einigen Stellen bengalorot auf.

Die fliegenden Bierbecher sollen nicht lange alleine bleiben, denn nur fünf Minuten später steckt Aouchiche auf Sylla durch, der an Seimen scheitert, aber zum Vorlagengeber zurücklegen kann, so dass Aouchiche aus kurzer Entfernung zum 2:2 einnetzen kann (40.). Der Gästeblock ist mächtig erleichtert und brüllt bis zum Halbzeitpfiff nonstop „Wir rasten aus für deine Farben“. Auch die 3minütige Nachspielzeit wird kurzerhand durchgesungen, dann geht es mit Applaus in die Kabinen.

Das offizielle Halbzeit-Geplänkel interessiert im Gästeblock niemanden, dafür wird der verletzte „Fußballgott“ Henning Matriciani in einer der vorderen Reihen entdeckt und lächelt geduldig für viele, viele Selfies. Der Optimismus ist nach dem aufgeholten Zwei-Tore-Rückstand größer denn je.

Wer schafft den Lucky Punch?

Mit „Stadionverbote halten uns nicht auf“ und „Für die Jungs die draußen steh‘n“ eröffnen die Schalkefans den zweiten Durchgang, den beide Mannschaften zunächst personell unverändert antreten. Weder eine Ecke für Paderborn (48.) noch ein Freistoß für Schalke (52.) treffen ins Schwarze, aber das Spiel bleibt auch ohne zwingende Torchancen umkämpft und sehenswert.

Als ersten Wechsel des Spiels tauscht SCP-Coach Kettemann Müller gegen Tigges (66.), während der Gästeblock „Eine Stadt erstrahlt in Blau“, „Für deine Farben leben und sterben wir“ und „Steht auf, wenn Ihr Schalker seid“ anstimmt. Marino wird durch Okpala ersetzt (80.), Schalke ist immer noch in der Originalbesetzung unterwegs.

Und wie! Zunächst vergeben Ljubicic, dessen Rechtsschuss von Scheller geblockt wird, und Sylla (drüber) den möglichen Matchball, aber im nächsten Anlauf ist Ljubicic hellwach und nutzt einen Patzer von Götze eiskalt zum 2:3 (83.). Der Gästeblock eskaliert jetzt vollends – Bierduschen sollen ja gut für Teint und Haare sein – und swingt zu „Immer wieder S 04“ und „S04 nur im wir“.

Schalke bringt die Megabigpoints unter Dach und Fach

Beide Trainer bringen noch einmal großzügig frisches Personal; Michel und Bätzner ersetzen Bilbija und Sticker; Muslic gönnt Ljubicic, Ndiaye und Sylla eine Atempause und lässt Gantenbein, V. Becker und Bachmann ran (86./88.). Als auch noch Aouchiche gegen Gomis getauscht werden soll, lässt er sich nach Auffassung von Schiedsrichter Dr. Jöllenbeck etwas zu viel Zeit und sieht die einzige gelbe Karte des Spiels (90+1.).

In den 04 Minuten der Nachspielzeit gibt es auf jeder Seite noch jeweils eine halbe Chance durch Michel und V. Becker, dann ist Ende – jaaaaAAAA!

Die Mannschaft stürmt ohne Zwischenstopp sofort zur Kurve, angeführt von einem völlig losgelösten Timo Becker. Karius reckt triumphierend die Arme in die Höhe, alle Spieler tanzen ausgelassen vor dem Block herum, bis Aouchiche den grinsenden Muslic in die erste Reihe schubst – wurde schon jemals ein Trainer auf Schalke so dermaßen gefeiert?!

Muslic drückt Karius und Karaman an sein Herz, dann hüpfen Fans und Mannschaft gemeinsam zu „Spitzenreiter, Spitzenreiter!“ herum, Timo Becker – dessen Trikot längst jemanden im Gästesteher glücklich macht – ballt die Siegerfaust. Danach bleibt kaum ein Auge trocken, denn der Mythos vom Schalker Markt ist angesagt.

Erster Matchball gegen Fortuna

Schalke hat jetzt 64 Punkte und damit sechs bzw. sieben Zähler Vorsprung vor Paderborn (58) und Hannover 57) – damit kann Schalke mit einem Sieg im nächsten Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf schon vorzeitig das Ticket für die erste Bundesliga lösen, da danach nur noch zwei Spiele anstehen. Aber wenn eine Mannschaft den Aufstieg verdient hat, dann diese…

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