Schalke – Kaiserslautern 2:2: Dzeko läutet die Wende ein und lässt die Fans jubeln

Schalke – Kaiserslautern 2:2: Dzeko läutet die Wende ein und lässt die Fans jubeln

26. Januar 2026 0 Von Susanne Hein-Reipen

Der FC Schalke 04 holt im Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern dank einer Schlussoffensive einen 0:2-Rückstand auf und holt beim 2:2 wenigstens einen wichtigen Zähler. Der Applaus der Fans, die zuvor eine riesige Choreo gezeigt hatten, gilt insbesondere Winter-Neuzugang Edin Dzeko, dessen Torinstinkt die zuvor lahmende Offensive wiederbelebt. Susanne Hein-Reipen berichtet…

Es ist kalt in Gelsenkirchen, überall gammelt noch Schnee vom Biathlon herum, daher bemühen sich die meisten Fans, schnell in die Arena zu kommen. Gesprächsthema Nummer 1 sind ganz klar die Winterwechsel Dzeko und mutmaßlich Sylla, der schon nicht mehr im Kader steht, um in die MLS zu wechseln.

Das Empfangskomitee wartet

An mehreren Ecken sieht man bosnische Flaggen blitzen, nachdem die Socialmedia-Kanäle des Vereins in der vergangenen Woche sehr humorvoll Muslic, Katic und Dzeko zusammenführten. Vor dem Ausgang des Spielertunnels wartet eine ganze Meute von Fotografen auf den Superstar, der mit großem Applaus begrüßt wird. Nur die neongelben Schuhe stoßen auf wenig Gegenliebe…

Zahlreiche Seile und Bänder in der Nordkurve nähren die Hoffnung auf eine weitere Choreo. Der Gästeblock in der mit 62.077 Zuschauer ausverkauften Arena ist ebenfalls sehr gut gefüllt, die vielen roten Teufel firmieren heute unter einem großen Banner „1. FC Kaiserslautern unzerstörbar“.

Wie immer gibt’s Termin und Ergebnisse der Schalker Frauen und Knappenschmiede-Mannschaften, dann werben Susanne Franke von der Schalker Fan-Ini, Patrick Arnold und Sebastian Buntkirchen für die Veranstaltung „Identität trotzt Isolation“ über jüdischen Sport im Nationalsozialismus und heute. Am 28. Januar ab 19.04 Uhr sind alle interessierten Schalker herzlich in den Kulturraum „die flora“ eingeladen.

Choreo, Mützen, Banner

Die beiden Quatscher Dirk und Jörg begrüßen alle Anwesenden herzlich. Die Heimspielstatistik spricht klar für die Gastgeber. Es folgt die Aufstellung der Gäste aus der Pfalz, die sich gerade bei ihrer Kurve einen aufmunternden Applaus abholen.

Applaus abholen können die Schalker natürlich auch, dann folgt das Steigerlied. Die Gästekurve, die beim letzten Aufeinandertreffen den Bergmannschor stören wollte, wird dieses Mal kurzerhand niedergesungen, das folgende „Kaiserslautern olé“ wird von „Whatever you want“ übertönt.

Die Nordkurve packt nun tausende blauer und weißer Fahnen aus und stimmt den Wechselgesang „Schalala Schalke!“ an, dann folgt die Mannschaftsaufstellung: Chefcoach Miron Muslic vertraut zunächst Karius, Kurucay, Katic, Ayhan, Porath, Schaklenberg, El-Faouzi, Becker, Karaman, Younes und Gomis, Dzeko nimmt auf der Bank Platz.

Zum Einlaufen der Mannschaften gibt’s dann das Vereinslied „Blau und Weiß, wie lieb ich Dich“, während vor der Nordkurve ein gigantischer SCHALKE-Schriftzug hochgezogen wird. Schalke, ich bin für dich geboren…

Als die Choreo beendet ist und die Tifo-Materialien nach vorne durchgereicht werden, wird erkennbar, dass die komplette Kurve einheitliche blau-weiße Mützen trägt – ein starkes Bild!

Offensive Fehlanzeige

Die Kurve startet mit „Steht auf, wenn Ihr Schalker seid“, „Eine Stadt erstrahlt in Blau“ und „Geh‘n mit Dir auf jede Reise“, auf dem Rasen startet Schalke mit einem frühen Freistoß mit folgendem Kopfball von Kurucay. Der erste Jubel gilt jedoch nicht den hiesigen Akteuren, sondern der frühen Führung von Preußen Münster bei Aufstiegskonkurrent Paderborn.

Danach verflacht das Spiel deutlich, da beide Abwehrreihen auf Zack und die Stürmer mäßig kreativ unterwegs sind. Kleine Highlights sind ein Kopfball von Kurucay (13.) und ein Vorstoß von Ritter und Skyttä auf der Gegenseite (23.) – genug Zeit für Nordkurve und I-Block, auf mehreren Bannern die nach Berichten zahlreicher Augenzeugen überzogene Aktion der Berliner Polizei am vergangenen Spieltag aufzuarbeiten: „Die ganze Welt hasst die Polizei“, „Solidarität mit allen Opfern von Polizeigewalt“, „Machtmissbrauch auf Kosten der Fankultur“, „Polizeigewalt stoppen in Berlin, Gelsenkirchen und überall“, „Wenn die Fallzahlen sinken, treibt Ihr sie wieder rauf – Selbstlegitimation um jeden Preis?“ und einiges mehr ist dort zu lesen, dazu erklingt „Alle Bullen sind…“.

Nach einer guten halben Stunde kommt El Faouzi im Lauterer Strafraum zu Fall, Schiedsrichter Felix Zwayer winkt aber ohne Konsultation des VAR sofort ab. Der Nordkurve ist das ein paar „Lautern-Schweine“ wert, dann folgt „Wir lieben alle nur den FC Schalke“. Sehr ärgerlich: Kurucay sieht für einen Allerweltszweikampf, bei dem er zudem noch den Ball spielt, seine 5. gelbe Karte und ist für das Spiel beim VfL Bochum gesperrt (30.).

Der Auswärtswahnsinn geht weiter

Karius im Schalker Tor macht da weiter, wo er in Berlin aufgehört hat und pariert bravourös einen scharfen Flachschuss von FCK-Kapitän Ritter (31.). Keinen Sieger gibt es derweil im wiederholt verbissen geführten Duell Gomis gegen Gyamfi. Die Nordkurve skandiert „S! 0! 4!“ und versucht, die Südkurve zum Schalke! – Nullvier“- Wechselgesang zu animieren, doch das fluppte schon mal besser. Mit einer Minute Nachspielzeit geht es torlos in die Kabinen.

Nach der Fanbox kommen die Fanbelange, in deren Rahmen Thomas Kirschner auf die Choreo, Youri Mulders umjubelten Auftritt beim Mitgliedertalk in Bonn und die Kartenvergabe für das Spiel in Bochum eingeht: 23.000 (!!!) Schalker haben für Tickets angefragt, leider ist die Hütte aka Ruhrstadion zu klein für den Auswärtsfahrermeister.

Der zweite Durchgang startet mit unverändertem Personal auf dem Feld und einem weiteren kritischen Banner der Marler Jungs: „Pol-B: Das Stadion mit Tausenden Fußballbegeisterten ist kein Freiraum für Polizeigewalt!“. Lautstarke Grüße gehen derweil nach Enschede und an den FCN, dann folgt „Schalke, nur Du alleine“. Der Gästeblock lässt sich mit „Kaiiisers-lauteeern“ vernehmen.

Die Joker stechen

Nach etwa zehnminütigem Hin-und-Her kommt Schalke durch Porath und Becker (58.) zu zwei guten Chancen, doch Krahl und die Latte haben etwas gegen die Schalker Führung (58.). FCK-Coach Lieberknecht tauscht Bassette gegen Prtajin – und der Kroate hat nichts Besseres zu tun, als seinen ersten Ballkontakt zum Führungstreffer zu nutzen: Nach einer Freistoßflanke von Skyttä von links nickt er den Ball zur 1:0-Führung in die linke untere Ecke und sprintet völlig losgelöstRichtung Gästeblock (61.).

Die Nordkurve schüttelt sich einmal kurz und fordert dann „Auf geht‘s Schalke schieß‘ ein Tor!“ und „Steht auf“. Zu den Klängen von „Immer wieder S04“ ist es dann soweit: Dzeko kommt für Younes und ist damit der zweitälteste Debütant in der zweiten Liga aller Zeiten, nur Rainer Rissel (MSV Duisburg) war älter.

Durch den Wechsel wirkt die Schalker Offensive sofort wacher, aber Gomis, El Faouzi und Dzeko treffen noch nicht ins Schwarze. Beide Trainer greifen nunmehr zu einem Doppelwechsel, beim FCK ersetzen Hanslik und Sahin Skyttä und Ritter (74.), bei Königsblau kommen Sanchez für Porath und Wallentowitz für Becker ins Spiel (77.).

Schalke muss nun aufmachen – und wird eiskalt ausgekontert: Nach einem Doppelpass mit Hanslik läuft Prtajin alleine auf Karius zu und setzt den Ball ins rechte Eck, das 0:2 in der 84. Minute.

Die Nordkurve fordert einmal mehr „Steht auf, wenn Ihr Schalker seid“ und „Für Deine Farben leben und sterben wir“ – und tatsächlich: Dzeko beweist seinen Torriecher und schaltet am schnellsten, als ein hoher Eckball in den Lauterer Strafraum segelt. Er holt das Leder mit der Brust herunter und verwandelt cool wie Eis zum 1:2 (87.). Jaaaaa! Ganz nebenbei ist er damit auf Anhieb der älteste Torschütze der zweiten Bundesliga aller Zeiten.

Karaman mit dem umjubelten Ausgleich

Muslic bringt nun mit Tchibara für Kurucay eine weitere Offensivkraft und wird belohnt: Der junge Deutsch-Togolese knallt eine Ecke von El-Faouzi auf das Tor der Gäste, der bis dahin tadellose Krahl kann nur nach vorne parieren und Kapitän Karaman erzielt das erlösende 2:2 (90.). Der Jubel des Schalker Publikums ist riesig, zu gut sind noch die zeiten in Erinnerung, wo die Mannschaft nach dem 0:2 auseinandergefallen wäre.

Auch die siebenminütige Nachspielzeit wird ohne größere Probleme überstanden; Kunze sieht noch Gelb für ein Foul an El Faouzi (90+6.), dann ist die Punkteteilung perfekt. Schalke bleibt mit 39 Punkten Tabellenführer, der FCK sortiert sich mit 31 Punkten auf Platz 6 ein.

Die Nordkurve skandiert kurz „Felix Zwayer ist ein H*rensohn“, verlegt sich dann aber auf Beifall für die Aufholjagd. Auch der Gästeblock feiert seine Spieler.

Als die Mannschaft, angeführt von Karius und Karaman, vor die Kurve tritt, wird sie mit deutlichem Applaus empfangen, auf beiden Seiten ist die Erleichterung über die gelungene Wende deutlich zu spüren. Der „Arbeitsauftrag“ für Bochum heißt „Auf geht’s Schalke kämpfen und siegen“.

Muslic bringt es in der Pressekonferenz auf den Punkt: „Das sind Dinge, die uns in den letzten sieben Monaten gefehlt haben: Ein Target-Player, der Bälle behaupten und sich durchsetzen kann. Das haben wir jetzt mit Edin“. Bleibt zu hoffen, dass „Opa Dzeko“ auch in Bochum seinen Torriecher unter Beweis stellen kann…

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