Schalke – Leipzig 0:2: Sturmflaute hält trotz Leistungssteigerung an
1. November 2026Der FC Schalke 04 bleibt trotz sichtbarer Leistungssteigerung auch im vierten Heimspiel ohne eigenen Treffer und muss sich RB Leipzig vor 61.581 Zuschauern mit 0:2 (0:1) geschlagen geben. Die Nordkurve liefert ein klares Treuebekenntnis ab – Susanne Hein-Reipen berichtet…
Das Wetter ist überraschend gut, als die Schalker Fans Richtung Veltins Arena pilgern. „Heute muss der Knoten platzen“ und „hoffentlich kein Grusel an Halloween“ heißt es beim Bierchen auf P 7.
Gegründet von Kumpeln und Malochern
In der Arena können sich die Besucher weiter mit Nordkurvenkalendern (UGE) und Adventskalendern (Hugos) eindecken; dazu grüßt vom Oberrang der Nordkurve statt des üblichen „Nordkurve Gelsenkirchen“-Schriftzugs ein langes Banner „Gegründet von Kumpeln und Malochern“. Dieses Banner taucht seit 2016 bei allen Duellen mit RB auf, um plakativ auf die fehlende Tradition des Brausekonstrukts hinzuweisen.
Für leichte Irritation sorgen die Volunteers, die bislang leicht an ihren neongrünen Jacken erkennbar waren, nun aber in neuen schwarzen Joppen von Blakläder optisch im Heer tausender dunkler Winterjacken untergehen. Schade.
Der „Song des Spieltags“ beim Aufwärmen ist dieses Mal „Eye of the tiger“, vorgeschlagen von Olaf Thon, angesagt von „Quatscher i. R.“ Dirk Oberschulte Beckmann. Sein Nachfolger am Mikro, Kevin Gerwin, plaudert sich derweil lautstark durch das Vorprogramm mit den Ergebnissen der Frauen- und Jugendteams, einer Gedenkminute für den in dieser Woche im Alter von 87 Jahren verstorbenen Waldemar Gerhard und die Statistik, die leider klar für die Gäste spricht.


KEINE KOMPROMISSE MIT VW, BAYER UND RB – 50+1 DURCHSETZEN!
Nach der Startelf der roten Bullen folgen das Vereinslied „Blau und Weiß, wie lieb ich Dich“ und das Steigerlied, bevor die Startelf der Schalker rausgehauen wird. Muslic beginnt heute mit einer Viererkette: Karius, T. Becker, Katic, Kurucay, V. Becker, Tanaka, Ayhan, Adamu, Karaman, Aouchiche und Hwang. Dzeko, Lasme und Ljubicic finden sich auf der Ersatzbank wieder.
Kurz bevor die Mannschaften auf den Platz kommen, fordert die Nordkurve ihr Gegenüber zum Wechselgesang Schalke! – Nullvier! auf. Während des Einlaufs zeigen die UGE ein großes Banner „KEINE KOMPROMISSE MIT VW, BAYER UND RB – 50+1 DURCHSETZEN!“.
Die Nordkurve eröffnet den Supportreigen mit „Stadion geh’n“ und „Hier regiert der S04“, der Gästeblock ist akustisch nicht wahrnehmbar. Auf dem Platz sind die Leipziger hingegen nicht zu übersehen, schon nach drei Minuten landet der Ball im Schalker Tor, aber Orban stand klar im Abseits, bevor er Timo Becker so unglücklich angeköpft hatte, dass dieser das Leder ins eigene Netz befördert. Puh!


Schalke verbessert, aber ohne Spielglück
In der Folgezeit zeigt die Schalker Mannschaft, angefeuert durch „Vorwärts Schalke, kämpfen und siegen“, „Eine Stadt erstrahlt in Blau“ und „Auf geht‘s Schalke schieß‘ ein Tor“ eine klare Leistungssteigerung gegenüber dem schwachen Pokalauftritt bei Dynamo Dresden und kommt durch Adamu (7.), Aouchiche per Freistoß (9.) und erneut Adamu mit einer Großchance nach schöner Vorarbeit von Ayhan (10.) zu Chancen. Einen weiteren Freistoß von der rechten Seite setzt Aouchiche auf die Latte (13.). Schade!
Der Nordkurve gefällt der Einsatz, sie skandiert „S! 0! 4!“ und die Attacke. Im I-Block ziehen die Jungen Chaoten ein Banner „RB Leipzig Feinde des Fußballs und der Fankultur“ auf, kurz darauf legen die Ultras mit „Die Zeit geht, unsere Verachtung bleibt: RB = Feind des Fußballs“ nach. Auf dem Rasen klärt Karius einen Schuss von Nusa, der Abpraller kommt von Reitz zu Romulo, dessen Kopfball über die Latte geht (15.).
Die meisten Schalker Offensivaktionen laufen über Hwang und Adamu, werden aber nicht sauber zu Ende gespielt. Adamu und Banzuzi prallen im Laufduell an der Seitenlinie zusammen und müssen kurz behandelt werden, können aber weiterspielen. Die Behandlungspause nutzt die Kurve für ein herzhaftes „Ihr seid nur hein H*rensohnverein“, dann geht es weiter im Supporttext: „Steht auf, wenn Ihr Schalker seid und „Vorwärts FC Schalke, schieß ein Tor für uns“ sind angesagt.


Elfmeter bringt Schalke auf die Verliererstraße
In der 34. Minute bekommt die bis dahin gute Schalker Laune einen jähen Dämpfer, denn Schiedsrichter Burda entscheidet nach einer unglücklichen Situation zwischen Tanaka und Romulo an der Strafraumkante auf Elfmeter. Der Japaner hatte den von hinten dazwischen spitzelnden Gegenspieler nicht gesehen und ihn daher leicht am Fuß getroffen. Unter einem gellenden Pfeifkonzert verwandelt Nusa den Strafstoß zum 0:1 für RB, obwohl Karius die Ecke ahnt (37.).
Bereits der Jubel der roten Bullen Richtung Nordkurve sorgt für einige Beschimpfungen, fünf Minuten später eskalieren die „H*rensohnverein“-Rufe endgültig, weil Tanaka in zentraler Position glatt von El Aynaoui über den Haufen gerannt wird und Burda, der direkt daneben steht, nicht einmal mit der Wimper zuckt (42.). In der dreiminütigen Nachspielzeit zeigt sich Karius einmal zweimal mehr auf dem Posten und klärt per Faustabwehr gegen Raum und kurz darauf stark im 1:1 gegen Banzuzi.
Kurz darauf eskalieren die Pfiffe, weil der „Schiedsrichter“ ein Abstaubertor von Romulo gelten lassen will, obwohl der Ball bereits im Vorfeld klar im Aus war. Zum Glück kassiert der VAR das Tor wieder ein, Burda ist damit aber endgültig für jegliche Schalker Sympathien verbrannt.
Mit 0:1 geht es in die Kabinen. Während sich die Fans über die einseitige Schiedsrichterleistung aufregen und überlegen, wem am ehesten ein Tor zuzutrauen ist, plaudert Thomas Kirschner für das Team Fanbelange über das Kabinengespräch mit Frank Baumann und die Auswärtsfahrten der Knappenkids nach Köln und Paderborn.


Die Sturmflaute hält an
Die Schalker Spieler kommen deutlich vor ihren Kontrahenten wieder auf den Platz, beide Mannschaften zunächst personell unverändert. Die Nordkurve startet mit „Schalke nur Du alleine“, erste Aktion auf dem Feld ist eine Ecke für Königsblau, bei der Karaman leider im Abseits steht (46.). Auf der Gegenseite verfehlt Banzuzi mit einem Distanzschuss knapp das Schalker Tor (47.). Kurz darauf landet der Ball nach einer weiteren Schalker Ecke im Getümmel vor Adamu, der aber einen Tick zu lange zögert, so dass Romulo noch dazwischengehen kann (49.).
Timo Becker sieht die erste gelbe Karte des Spiels, weil er Nusa etwas zu inniglich festhält (51.). Kurz darauf stellt der agile Norweger die Schalker Abwehr erneut vor Probleme und setzt Banzuzi in Szene, aber Karius pariert stark mit dem linken Fuß (53.). Kurz darauf erlöst Muslic Pechvogel Adamu und wechselt Ljubicic für ihn ein. Die Nordkurve ist mittlerweile mit „Für deine Farben leben und sterben wir“ und „Geh‘n mit Dir auf jede Reise“ angelangt.
Karius pariert einen weiteren Schuss von Nusa (58.), dann bringt auch Trainer Demichelis mit Baumgartner für Reitz einen frischen Mann. Das Spiel geht jetzt hin und her, ohne dass eine Mannschaft ins Schwarze trifft. Muslic reagiert und wechselt Dzeko für Ayhan ein, bester Mann in Königsblau bleibt aber Karius, der vor dem Strafraum gegen Gruda klärt, weil die Abwehr nicht hinterherkommt (74.). Die Kurve fordert „Steht auf“ und „Immer wieder S04“; mit Baku und Gomis kommen zwei weitere Joker ins Spiel (76.).


Romulo trifft zum 2:0
Kurz darauf bedankt sich Gomis mit einem Sturmlauf auf der rechten Seite und passt flach zu Nusa, der das Leder sofort zu Romulo weiterleitet. Der fackelt nicht lange und tunnelt den mitgelaufenen Katic zum 0:2 (78.).
Die Hoffnung, dass Schalke den Rückstand angesichts der Sturmprobleme noch aufholen kann, ist gering, auch wenn Muslic mit Lasme und Dina Ebimbe für Hwang und Becker nochmal wechselt (83.). Demichelis bringt mit Bakayoko und Seiwald ebenfalls frisches Personal (86.). Aouchiche sieht Gelb für ein Foul an Baku (88.). Trotz aller Wechsel bleibt es bei Karius gegen Leipzig; der Keeper klärt gegen Gomis (80., 88.) und Baku (84.). Auf der Gegenseite verstolpert Lasme eine Vorlage von Dzeko (90).
Auf den Sitztribünen setzt die Massenflucht Richtung Parkplätze ein; die Nordkurve hat ebenfalls keine Hoffnung mehr auf die Wende und steigt mit „Schalke 04 für jetzt und alle Zeit, was auch immer passiert…“ ein. Die zweiminütige Nachspielzeit erbringt keine nennenswerte Aktion mehr, so dass bei Abpfiff eine 0:2 Heimniederlage zu Buche steht.


Ein Königreich für einen treffsicheren Stürmer
Die Fans sind frustriert, die Mannschaft auch, trotzdem gibt es beim Gang vor die Kurve kein böses Wort, sondern weiter „Für jetzt und alle Zeit“ und „Auf geht’s Schalke, kämpfen und siegen“.
Schalke bleibt mit unverändert 6 Punkten auf Rang 16, kann aber in den Sonntagsspielen von Union Berlin überholt werden. Leipzig beendet die Auswärtsflaute und klettert auf Platz 4.
Muslic fasst das Spiel in der Pressekonferenz gewohnt treffend zusammen und konstatiert „Wir haben heute eine Systemumstellung vorgenommen, weil wir wussten, dass wir nach vorne mehr Akzente setzen müssen. Die Umstellung auf die defensive Viererkette war zu keinem Zeitpunkt ein Problem. Im Gegenteil: Wir waren von Beginn an sehr energisch und aktiv und direkt im Spiel. Das Publikum hat sofort gemerkt, dass wir ein anderes Gesicht gezeigt haben. Wir hätten früh in Führung gehen können, das hätte uns ein Stück weit befreit. (…) Die Mannschaft hat alles versucht, es war ein Schritt nach vorne.“
Die Hoffnung liegt jetzt darauf, dass El-Faouzi, Gosens, Schallenberg und Sylla bald wieder dabei sind und mithelfen, dass der offensive Knoten endlich platzt.

Alle Bilder vom Spiel gibt es hier.
