Köln – Schalke 0:0: Verletzungsdrama überschattet das Spiel
25. Oktober 2026Der 1. FC Köln und der FC Schalke 04 trennen sich im ausverkauften Rhein-Energie-Stadion nach 90 spielerisch ausbaufähigen, aber kämpferisch guten Minuten mit 0:0. Für heftige Diskussionen und dicke Sorgenfalten bei den Schalkern sorgt ein übler Zusammenprall von Robin Gosens und Soufiane El-Faouzi, nach dem beide blutüberströmt und benommen ausgewechselt werden müssen. El Mala hatte El-Faouzi im Sprung geschubst. Susanne Hein-Reipen über einen nervenaufreibenden Fußballnachmittag
Köln gegen Schalke, das ist nicht nur ein Westklassiker, sondern aufgrund der Fanfreundschaften zum jeweiligen Erzrivalen BVB bzw. Borussia Mönchengladbach auch ein Risikospiel und so tummelt sich gefühlt die komplette Polizei NRWs mit Hubschrauber, Mannschaftswagen, Pferden, Hunden und allem, was nicht bei Drei auf dem Baum war, in Müngersdorf. Jedem Ultra aus dem Ruhrpott scheint ein eigener Polizist zur Seite gestellt worden sein. Schalker und Kölner streben derweil größtenteils vollkommen friedlich Seite an Seite dem Stadion entgegen.
Geißbock in Quarantäne
Das Verpflegungsangebot im Gästebereich ist mit Würstchen, Würstchen oder Würstchen ausgesprochen dürftig und ob Kölsch wirklich Bier ist, bedarf auch noch einer gründlichen Untersuchung. Toilettenpapier gibt’s auch nicht. Dafür ist die Begrüßung des schon früh gutgefüllten Gästeblocks für Torhüterteam und Mannschaft nicht zu überhören.
Das Musikangebot der Gastgeber ist wie immer ein wenig karnevalslastig und so dröhnt „Stadt mit K!“ aus den Lautsprechern. Geißbock Hennes muss sich die akustische Folter dieses Mal nicht antun, das Maskottchen des Effzeh steht wegen eines Vogelgrippe-Ausbruchs im Kölner Zoo unter Quarantäne. Dafür schwingen die Kölner Cheerleaderinnen zu „Nur nicht aus Liebe weinen“ Pompons, Haare und Gliedmaßen. Die Meinungen, ob das beim Fußball eine nette Abwechslung oder komplett überflüssig ist, sind jedenfalls in der Gästekurve sehr geteilt. Bei „Hurra, hurra, die Schalker die sind da“ ist der Block sich aber einig.
Das gegenseitige Begrüßungsritual wird es vermutlich nicht in den Knigge für Diplomaten schaffen – „Cologne, Cologne, die Scheixxe vom Dom“ wird von der Südkurve sofort mit „Scheixxe 04 gekontert, danach heißt es „H*rensöhne FC“. Der Stadionsprecher versucht, die Nettigkeiten mit „Ich mööch zo Foß no Kölle jonn“ vom Band zu übertönen. Sein „Herzlich willkommen in der schönsten Stadt Deutschlands“ erheitert den Gästeblock zusätzlich.


Ohne Karaman, Sylla und Dzeko
Chefcoach Miron Muslic muss verletzungsbedingt seine Startelf umstellen und so beginnen Karius, T. Becker, Katic, Kurucay, Dina Embimbe, El-Faouzi, Tanaka, Gosens, Aouchiche, Adamu und Hwang. Dzeko und der wiedergenesene Lasme sitzen nur auf der Bank; der verletzte Kapitän Karaman unterstützt die Mannschaft in Zivil.
Nach dem obligatorischen „Mer stonn zo dir, FC Kölle“ gibt’s auch die Aufstellung der Hausherren mit den beiden Ex-Schalker Tom Krauß und Marius Bülter, dann marschieren beide Mannschaften mit weißen Trainingsjacken und dunklen Hosen auf den Rasen. „Mottofahrt „Alle in weiß“ oder watt?!“ scherzt ein Schalker, aber nach dem Ablegen sind Kölner – dunkelrotes Trikot, schwarze Hosen, schwarze Stutzen – und Schalker – weißes Auswärtstrikot, dunkelblaue Hosen, weiße Stutzen – durchaus zu unterscheiden.
Der Gästeblock steigt mit den „Asozialen Schalkern“, „Eine Stadt erstrahlt in Blau“ und „Schalke, ich bin für dich geboren“ lautstark in den Ring, die Südkurve kommuniziert offenbar lieber schriftlich und packt das alte „Ob Andreas Bachmann oder Olaf Thon, jeder Schalker ist ein H*rensohn“-Banner wieder aus.
Fußball wird auch noch gespielt, wobei Schalke durch El-Faouzi (5.) den ersten Vorstoß wagt. Kölns erste Torannäherung läuft über Sosa (11.), danach ist wieder Königsblau am Drücker, aber weder Adamu (14.) noch Katic (15.) treffen ins Schwarze. Stattdessen liegt der Ball zu den Klängen von „S! 0! 4!“ und „Um die halbe Welt sind wir gefahr’n“ plötzlich im Schalker Kasten, aber der vermeintliche Torschütze Johannesson stand beim Zuspiel von Bülter klar im Abseits (16.). Einen weiteren Fernschuss des Isländers kann Karius zur Seite abwehren, der Nachschuss von El Mala verfehlt den Kasten.


Verletzungsdrama um El-Faouzi und Gosens
Beide Mannschaften sind in dieser Phase bemüht, ohne ein spielerisches Feuerwerk entfachen zu können, es gibt mehr blaue Flecken als Torchancen. Der Gästeblock singt sich munter weiter vom Wechselgesang Schalke! – Nullvier über „Wir lieben alle nur den FC Schalke“ bis zu „Geh‘n mit dir auf jede Reise“ durch das königsblaue Liedgut, die Heimkurve zieht in rascher Folge mehrere Banner auf: „MG Große Scheibe – Nichts dahinter“ macht sich über die Gladbachfans lustig, die beim Rheinderby besagte Scheibe durchtrennten, sich aber nicht in den Heimbereich trauten; „Overrang das nächste Kölsch jeiht op us“ und „Bürgerzentren, Jugendhilfe, Gewaltschutz für Frauen – Köln spart sich kaputt“ zeigen klare Kante.
In der 37. Spielminute dann die Szene, die die Gemüter bis weit in den Abend erhitzt: Gosens und El-Faouzi gehen beide im Mittelfeld zum Kopfball, wobei El-Faouzi von El Mala im Flug noch kräftig gegen seinen Mannschaftskameraden geschubst wird. Die beiden Schnalker knallen daraufhin so heftig mit den Köpfen zusammen, dass beide stark blutend zu Boden sinken. Insbesondere Gosens krümmt sich vor Schmerzen und muss, nachdem es den Schalker Teamärzten mit Unterstützung der Kölner Kollegen gelungen ist, die starke Blutung zu stillen, mehr vom Platz getragen werden als er läuft. El-Faouzi, mit Kopfverband, Tamponaden in der Nase und blutverschmiertem Trikot hingegen scheint weitermachen zu wollen. Für die beiden kommen Bachmann und V. Becker aufs Feld.
Die unschöne Szene, für die El Mala noch nicht einmal Gelb bekommt, vergiftet das Klima zwischen den beiden Fanlagern nachhaltig, weil die Kölner noch „Scheixxe 04“ höhnen und sich über die Verletzungen lustig machen. Auf der Nordtribüne versuchen einige Schalker, die Plexiglastrennwand zu überwinden, aber die Absperrung hält stand und man bepöbelt sich weiter wort- und gestenreich, aber ohne direkten „Feindkontakt“.


Viel Kampf, wenig Spiel
Auch die Spieler scheinen sich erst etwas erholen zu müssen, bis zur Pause passiert außer einer gelben Karte für Krauß wegen eines Fouls an Hwang (45+2.) und einem Vorstoß durch El Mala in der 45+6. Minute nichts Erwähnenswertes mehr.
Im Gästeblock gibt es in der Halbzeit nur ein Thema: Hoffentlich haben sich El-Faouzi und Gosens nicht schwer und langfristig verletzt, denn das sah nicht gut aus. Zum Glück ist das Pausenprogramm überschaubar und unaufdringlich; außer etwas Werbung für den Martinszug gibt es nur noch die Ergebnisse der parallel laufenden Erstligaspiele.
Beide Mannschaften kommen personell unverändert wieder auf das Spielfeld, der Gästeblock performed inbrünstig den Königsblauen S04. Adamu köpft eine Flanke von der linken Seite Richtung Kölner Kasten, aber Schwäbe kann den Ball abwehren (46.). Auf der Gegenseite hat El Mala kleinere Offensivaktionen, ohne Karius ernsthaft in Verlegenheit bringen zu können. Auch ein Distanzschuss von Bülter wird sichere Beute des Keepers, der sich seit Wochen in bestechender Form präsentiert (65.).
Die Südkurve titelt „WE:FC abschaffen, der FC ist keine Marke“, offenbar trifft die Lifestyle-Submarke des Vereins nicht den Geschmack vieler Fans. Coach Wagner ersetzt derweil Moore durch Waldschmidt (68.). Dina Ebimbes Abschluss wird in letzter Sekunde durch Lochosvhili geblockt (70.), kurz darauf sieht der junge Kameruner Gelb für eine Rangelei mit El Mala.


Tanaka mit einer starken Vorstellung
Der Schalker Anhang setzt nun auf eine ausdauernde Schleife von „Vorwärts FC Schalke, schieß‘ ein Tor für uns“, muss aber kurz durchschnaufen, als Bülter plötzlich frei auf Karius zuläuft, im Torhüter aber seinen Meister findet (74.). Den Nachschuss von Waldschmidt wird von T. Becker geblockt.
Auf der Gegenseite krönt sich beinahe Tanaka, der eine unspektakuläre, aber bärenstarke Partie spielt, zum Matchwinner, aber sein Schuss aus ganz spitzem Winkel titscht vom Außenpfosten ins Toraus (79.). Schade!
Zu „Für Deine Farben leben und sterben wir“ und „Immer wieder S04“ gibt es noch vier Wechsel bei den Hausherren, gelbe Karten für Lochosvhili (81.), V. Becker (83.) und Kurucay und ein großes Banner „Geißbockheim als Heimat des 1. FC Köln erhalten“. Der Stadionsprecher gibt noch einige Hinweise zu den Straßenbahnen für die Gästefans, dann ist die Partie mit zwei Minuten Nachspielzeit zu Ende.


Muslic lobt die Mannschaft
Durch das Remis rutscht Schalker auf Rang 16 ab, punktgleich mit Hoffenheim (14.), Stuttgart (15.) und Union (17.). Der Mannschaft ist anzusehen, dass sie sich nicht wohlfühlt, als sie vor die Kurve tritt, doch ihr schlägt Applaus für den Fight nach dem Ausfall von Gosens und El Faouzi entgegen.
Auch Coach Muslic erklärt in der Pressekonferenz: „Ich bin sehr zufrieden und stolz, wenn man bedenkt, dass uns acht Stammspieler innerhalb weniger Tage wegbrechen. Die Situation mit Robin und Soufi war ein weiterer Schockmoment, aber es hat uns nicht gebrochen, sondern noch stärker gemacht. Wichtig war, danach nicht aus der Bahn zu fliegen, daher ein großes Lob an die Jungs, die Resilienz hat uns bis zum Schluss getragen.
Defensiv war das wieder eine Top-Performance. Wir haben ein drittes Spiel ohne Gegentor als Aufsteiger, das muss man zu diesem Zeitpunkt erst einmal schaffen, deshalb geht der Punkt auch voll in Ordnung. Und auch vorne haben wir viel gearbeitet und gefährliche Momente erschaffen. Die nächste Konsequenz sind dann die Tore – und wir werden uns noch weiterentwickeln.“
Ein Tor am Mittwoch im DFB-Pokal bei Dynamo Dresden wäre ein prima Anfang!

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