Schalke-Bilanz 2018

Schalke-Bilanz 2018

März 19, 2019 Aus Von Susanne Hein-Reipen

Königsblaue Analyse

Schalke 04: Wie positiv ist die Konzernbilanz 2018 wirklich?

Der FC Schalke 04 vermeldet für 2018 Rekordumsatz und Rekordgewinn und ist stolz, nach etlichen Jahren erstmals wieder positives Eigenkapital ausweisen zu können. Steuerjuristin Susanne Hein-Reipen bewertet die Bilanz und erläutert die wichtigsten Werte – und singt ein Loblied auf die Knappenschmiede und ärgert sich, dass Spielerberater mehr als das Dreifache des Vorstands kassieren.

Rekordumsatz

Schalke hat 2018 deutlich mehr Geld bewegt als in den Jahren zuvor: Der Umsatz der Schalker Konzerngruppe ist um satte 110 Mio. Euro von 240,1 Mio. Euro auf 350,4 Mio. Euro gestiegen. Hauptverantwortlich für das deutliche Plus waren die Medieneinnahmen, die dank der Championsleague-Teilnahme auf nunmehr 147,8 Mio. Euro (66,6 Mio. Euro mehr als die 81,2 Mio. Euro des Vorjahres) geklettert sind. Eine stolze Zahl, ein klarer wirtschaftlicher Erfolg aufgrund des guten sportlichen Abschneidens in der Saison 2017/2018! Der Wermutstropfen dabei ist jedem klar: Auf diese Einnahmen aus der CL darf Schalke im laufenden Geschäftsjahr nicht hoffen, mehr noch: Ein Teil der Zahlungen aus der Vermarktung der Medienerlöse innerhalb der Spielzeit 2018/2019 wurde forfaitiert, das heißt, Schalke hat diese Gelder bereits ausgeben bzw. weiterverkauft, bevor sie geflossen sind…

Gestiegen sind auch die Bundesliga-TV-Gelder und die Transfererlöse, Thilo Kehrer lässt grüßen. Leicht gesunken sind hingegen wegen weniger Heimspielen die Erlöse aus dem Kerngeschäft Spielbetrieb und die Merchandising-Einnahmen – trotz Ausrüsterwechsels und drei neuen lancierten Trikots, das ist ein vorsichtiges Warnzeichen.

Höchster Gewinn der Vereinsgeschichte

Eine Umsatzsteigerung alleine bringt noch keine schwarzen Zahlen, es muss auch „etwas hängenbleiben“ – und das ist es: 40,5 Mio. Euro ist der höchste Gewinn der Vereinsgeschichte! 2017 hatte noch ein Verlust von 12,2 Mio. Euro zu Buche gestanden.

Finanzvorstand Peter Peters ist zu Recht stolz darauf, dass dieser Gewinn parallel zur zweitgrößten Investition der Vereinsgeschichte erzielt wurde. Nach dem Arena-Bau ist die grundlegende Modernisierung des Vereinsgeländes auf dem Berger Feld ein Mammutprojekt; alleine die laufende II. Bauphase hat ein Investitionsvolumen von rund 70 Mio. Euro.

Apropos Arena: Jährlich grüßt das Murmeltier – aber am 1.7.2019 soll nun wirklich, tatsächlich und endgültig die Schlussrate fließen und der Tempel abbezahlt sein… Sicher wird bald Dagobert Duck neidisch zur Arena rüberschielen, wenn die Schalker im Geld schwimmen.

Das Eigenkapital ist endlich wieder positiv!

Durch den Rekordgewinn hat die bilanzielle Überschuldung endlich ein Ende: Das Eigenkapital ist nach einigen düsteren Jahren – Tiefpunkt war das Jahr 2012, als 75,7 Mio. Euro negatives Eigenkapital zu Buche standen – mit 7,6 Mio. Euro wieder positiv. Zur Erläuterung: Eigenkapital weist das Verhältnis von Vermögen und Verbindlichkeiten aus – ist es negativ, übersteigen die Schulden das Vereinsvermögen, ist es positiv, sind mehr Werte als Verbindlichkeiten vorhanden.

Die Knappenschmiede rettet mit den stillen Reserven die Bilanz und den Verein!

An dieser Stelle kommen die vielzitierten „stillen Reserven“ ins Spiel: Das ist Vermögen, das nicht bzw. mit einem deutlich geringeren Wert in der Bilanz steht und somit verhindert, dass eine bilanzielle Überschuldung zu einer tatsächlichen und damit zum Insolvenzfall wird. Im Profifußball sind das klassischerweise die Marktwerte selbst ausgebildeter bzw. ablösefrei verpflichteter Spieler. Der Hintergrund: Spieler tauchen als Wirtschaftsgüter auf zwei Beinen unter dem Posten „entgeltlich erworbene Spielerwerte“ mit ihren Anschaffungskosten in der Bilanz auf – hat ein Spieler aber nichts gekostet, steht dort nur ein symbolischer Euro, obwohl der tatsächliche Marktwert deutlich höher ist. Bei zugekauften Spielern hingegen wird die Transfersumme auf die Vertragslaufzeit abgeschrieben, die Gewinnspanne bei einem Weiterverkauf ist entsprechend niedriger bzw. kann sogar zu einem Verlust werden, wenn der Spieler durch schlechte Leistungen oder Verletzungen auf Schalke an Wert eingebüßt hat.

Die Realisierung „stiller Reserven“ führt regelmäßig zu bilanziellen Gewinnen und hat beispielsweise durch die Verkäufe von Neuer, Draxler und Leroy Sané die Bilanzen 2012, 2015 und 2016 gerettet. 2017 wurde kein Absolvent der Knappenschmiede verkauft, prompt stand ein Verlust zu Buche – und auch in diesem Jahr sähe die Bilanz ohne den äußerst lukrativen Verkauf Thilo Kehrers an Paris St. Germain deutlich anders aus. Drastischer kann man die sportliche und wirtschaftliche Wichtigkeit der Knappenschmiede für den Verein nicht mehr verdeutlichen!

Damit wird gleichzeitig deutlich: Durch sportlichen Misserfolg steigt die Gefahr, dass weitere hochtalentierte Eigengewächse nicht gehalten werden können, rasant an. Nicht nur, dass bei anderen Vereinen dann größere sportliche Meriten zu ernten sind, der Verein ist bei sinkenden anderweitigen Einnahmen zunehmend auf Transfererlöse angewiesen – wenn nicht auch Nübel eines Tages den bayrischen Kasten gegen Schalke sauber halten und Ahmed Kutucu Schalke abschießen soll, wie es Sané im Trikot von Manchester City getan hat, muss schnellstmöglich wieder eine konkurrenzfähige Mannschaft auf dem Platz stehen. 

Spielerberater kassieren mehr als das Dreifache des Vorstands

Der Gesamtpersonalaufwand ist um eine gute Million auf nunmehr 124,8 Mio. Euro gestiegen und bewegt sich nach wie vor auf hohem Niveau. Nicht ausgewiesen ist dabei leider wie in den Vorjahren der genaue Anteil des Profikaders und bei diesem die Unterscheidung in Grundgehälter und Erfolgsprämien. Ex-Mager Heidels wiederholte Aussagen, die Kosten deutlich gesenkt zu haben, darf aber getrost ins Reich der Träume verwiesen werden, zumal in 2018 ausnahmsweise einmal kein rausgeworfener Trainer abzufinden und die Erfolgsprämien in der zweiten Jahreshälfte überschaubar waren.

Darin noch nicht enthalten, sondern dezent in den sonstigen Verpflichtungen und Verbindlichkeiten versteckt sind rund 17,2 Mio. Euro für „diverse Spielerberater“ – eine nicht nur angesichts der sportlichen Performance verdammt stolze Summe; insbesondere, wenn man bedenkt, dass der komplette Vorstand mit 5,2 Mio. Euro nicht einmal ein Drittel der externen Berater kassiert… Insofern kann man den eingeschlagenen Weg, mit Schneider, Asamoah und einem Sportdirektor die dem Wohl des Vereines verpflichteten Kräfte und Kompetenzen zu verstärken und so hoffentlich die Abhängigkeit von Beratern mit mindestens zum Teil fragwürdiger Qualifikation und der Zielsetzung Profitmaximierung zumindest einzudämmen, nur begrüßen.

Die Gesamtbezüge der Mitglieder des – ehrenamtlichen – Aufsichtsrats betrugen 2018 übrigens 110.000 € für Sachbezüge wie Eintrittskarten und Reisen.

Verbindlichkeiten umgeschichtet und leicht gestiegen

Die Gesamtverbindlichkeiten sind um knapp 9,5 Mio. Euro auf 219,6 Mio. Euro gestiegen, was angesichts der Investitionen auf dem Berger Feld und zumindest auf dem Papier gestiegenen Spielerwerten kein Grund zur Sorge ist.

Einer deutlichen Senkung der Finanzverbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten steht dabei eine noch deutlichere Steigung der „Sonstigen Verbindlichkeiten“ von 50 Mio. Euro auf 90,7 Mio. Euro gegenüber, was leider befürchten lässt, dass die bereits erwähnten Vorgriffe auf die Medieneinnahmen 2018/2019 ziemlich üppig ausgefallen sind.

Kann leider nur schlechter werden…

Höhepunkte – und die Bilanz 2018 ist trotz kleiner Tücken ein wirtschaftlicher Höhepunkt – bergen den „Nachteil“, dass es danach erst einmal bergab geht. Dementsprechend kalkuliert auch Schalke trotz blumiger Worte vom „werthaltigen Alleinstellungsmerkmal eingetragener Verein“, Internationalisierung und dem „Wachstumsmarkt E-Sports“ für das laufende Jahr ohne europäischen Wettbewerb und ohne lukrativen Transfer und deshalb mit rund 100 Mio. Euro weniger Umsatz und einem „einem negativen Jahresergebnis im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich“, also 10-20 Mio. Euro Verlust.

Diesen Werten liegt eine Planung mit Platz 11 in der Bundesliga und einem Ausscheiden im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den SV Werder Bremen zugrunde. Auch für die anschließende Spielzeit 2019/2020 wird mit Platz 11 sowie konservativ mit einem Ausscheiden in der 2. Runde des DFB-Pokals kalkuliert; Transfererlöse über bereits bestehende vertragliche Regelungen hinaus sind nicht eingeplant.

Diese Kalkulation birgt Chancen – insbesondere, wenn Schalke im DFB-Pokal weiterkommt als geplant oder den Wettbewerb gar gewinnt – und Risiken: Wenn es nicht nur nicht Platz 11, sondern ein Relegations- oder Abstiegsplatz wird, müsste sich Schalke auch finanziell verdammt warm anziehen! Die Einnahmesituation in der zweiten Liga mit deutlich sinkenden Fernseh- und Werbeeinnahmen passt überhaupt nicht zur Kostenstruktur auf Schalke, die in allen relevanten Bereichen auf hohem Niveau liegt; auch die begonnenen Investitionen auf dem Berger Feld können nicht einfach gestoppt werden. Um einen Ausverkauf zu verhindern und Planungssicherheit für sinnvolle Weichenstellungen für die neue Saison zu haben, muss so schnell wie möglich der Klassenerhalt gesichert werden!