Schalke – Braunschweig 1:0: Furioses Happy-End einer überragenden Saison
19. Mai 2026Der FC Schalke 04 besiegt im letzten Heimspiel der Saison Eintracht Braunschweig mit 1:0 (1:0), knackt die 70-Punkte-Marke und feiert völlig losgelöst die Zweitligameisterschaft. Susanne Hein-Reipen berichtet über einen denkwürdigen Tag mit Schalen, T-Shirts, Choreo, Abschieden, Jubel, Tränen und groooooßen Emotionen.
Bereits in der Woche vor dem Spiel geht es hoch her; die Nachricht, dass die Meisterschaft nur innerhalb der Arena (und nicht wie 2022 auf dem Rudi-Assauer-Platz) gefeiert werden soll, enttäuscht viele Fans ohne Tickets; die Arena ist bereits seit Monaten restlos ausverkauft. Am Samstag vor dem Spiel folgt der ganz normale Schalker Wahnsinn, als tausende Schalker sich geduldig in eine kilometerlange Schlange für die Choreo-Motto-Shirts der UGE einreihen: Der Kaiser im Revier hält Hof.
Königsblaue Vorfreude
Die Tore der Arena öffnen bereits drei Stunden vor dem Anpfiff, beim Einlass gibt’s die bereits vom letzten Heimspiel bekannten Flyer gegen einen Platzsturm und „Testkekse“ des scheidenden Trikotsponsors SunMinimeal. „Schmecken nur, wenn man sie vor dem Reinbeißen durch eine Frikadelle ersetzt“ befindet ein beleibter Schalker grinsend.
Im Inneren der Arena künden abertausende über den Sitzen hängende Papptafel und Flyer eine Choreo an. Sehr ungewöhnlich: Auch auf der Gegengeraden hängen zahlreiche Strippen, die eine Blockfahne andeuten. Die Luft vibriert förmlich vor Vorfreude, die letzten T-Shirts finden reißenden Absatz und die Biertanker stehen bereit.
Beim Fanspiel müssen sich die Schalke Frenn Letzebuerg den Tiroler Knappen mit 2:3 geschlagen geben, während die Mannschaften bei der Platzbegehung an der ausgestellten „Radkappe“ alias Zweitliga-Meisterschale vorbeiflanieren. Noch gilt: Nur gucken, nicht anfassen!






Niemals geht man so ganz
Beim Minimatch siegt Team Blau gegen Team Weiß und beide Mannschaften machen zusammen eine Welle mit der nahezu blütenweiß erstrahlenden Nordkurve. Insgesamt befolgen erfreulich viele den traditionellen „Oberrang alle in Blau, Unterrang alle in Weiß“-Aufruf zum letzten Heimspiel, auch wenn angesichts der recht kühlen Witterung auch im Unterrang einige dunkle Jacken zu sehen sind.
Die Busankunft wird live auf den Würfel gestreamt, kurz darauf kommen die Mannschaften zum Warmmachen auf den Rasen. Zum Song des Spieltags wurde sehr passend Tupacs „Hit em up“ gewählt.
Dann weht der erste Hauch von Wehmut durch die Arena: Jörg Seveneick wird als „Co-Quatscher“ von Sebastian „Bunti“ Buntkirchen herzlich verabschiedet. Ob ich verroste und verkalke, ich gehe immer noch auf Schalke…
Doch es kommt noch dicker: Nach einigen Statistiken und der Aufstellung der Gäste mit den drei Ex-Schalkern Hoffmann, Aydin und Tempelmann stellen sich alle Schalker Spieler vor dem Spielertunnel auf, denn mit Christopher Antwi-Adjei, Henning Matriciani und Paul Pöpperl werden drei Spieler verabschiedet. Der „Fußballgott“ wird noch einmal für seine legendäre Derbygrätsche bejubelt.
Der Kaiser im Revier
Die Nordkurve wärmt sich mit „Stadion geh’n“ und „Hier regiert der S04“ auf, aus dem gutgefüllten Gästeblock weht hörbar „Eintracht!“ herüber und wird mit „Absteiger, Absteiger!“ erstickt. Kurz die Etikette austauschen („Braunschweig-Schweine/Scheixxe 04“), dann kann das Steigerlied losgehen.
Es folgt die Schalker Aufstellung: Karius, Ndiaye, Kurucay, Ayhan, Becker, Schallenberg, El-Faouzi, Aouchiche, Karaman, Ljubicic und Sylla sind erste Wahl, Dzeko und Rückkehrer Katic nehmen zunächst auf der Bank Platz.
Das Vereinslied „Blau und Weiß, wie lieb ich Dich“ wird ohne die sonst üblichen Fahnen geschmettert, denn danach muss die ganze Arena „mitarbeiten“ zur Choreo: Die tausenden Tafeln werden hochgereckt und verstärken das „Oben blau, unten weiß“-Bild. Das alleine sieht bereits toll aus, aber dann steigen langsam zwei riesige Banner KAISER und REVIER in der Nord- und Südkurve auf, während aus der Gegengeraden eine riesige Blockfahne von ebendiesem Kaiser, der verdächtige Ähnlichkeit mit Miron Muslic hat und das Sondertrikot der Ultras trägt, hochgezogen wird. Gänsehaut pur, dazu erklingt „Schalke 04“, „Die Nummer 1 im Pott sind wir“ und „Der S04 ist wieder da“.


Aouchiche mit dem Treffer des Tages
Die Rollen sind klar verteilt; Schalke möchte sich nach der feuchtfröhlichen Niederlage anständig aus einer tollen Saison verabschieden; Braunschweig nicht absteigen. Mit fußballerischer Feinkost ist daher nicht zu rechnen, aber das tut der exzellenten Stimmung keinen Abbruch; die ständig wechselnden Zwischenergebnisse der anderen Plätze tun ihr Übriges dazu.
Während das Schalker Liedgut von „Nie mehr zweite Liga“, „Steht auf, wenn Ihr Schalker seid“, „Wer nicht hüpft, der ist Borusse“ und „Der FC Schalke wird deutscher Meister und wir holen den Pokal“ gesungen wird, setzt El-Faouzi nach Vorarbeit von Becker einen ersten Warnschuss an den rechten Pfosten (11.). am Strafraumrand direkt ab. Doch auch die Gäste sind nicht untätig: Aydin zirkelt einen Freistoß an Karius‘ Kasten vorbei (22.), Kaufmann trifft zwar den Kasten, aber die Fahne des Linienrichters ist bereits oben (26.). Zeit für „Unsre Fahnen weh‘n im Wind“ und „Schalke ist die Macht“.
Dann wird musikalisch schon die erste Liga eingeläutet: „Attacke, D**tmund ist kacke“, „H*rensöhne Effzeh“, „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ und „Und ist der Feind gestorben“…
Becker muss kurz behandelt werden und wird sofort mit aufmunternden „Tiiiimo Becker“-Sprechchören bedacht, dann heißt es JUBELN: Mitten hinein in „Wir rasten aus für deine Farben“ staubt Aouchiche zum 1:0 ab, nachdem der bis dahin starke Hoffmann einen Sylla-Schuss nur halbherzig zur Seite abwehren konnte (36.).


Die Nummer 1 im Pott sind wir
Mit „Kohle unter unsern Füßen“, “Stadion geh’n“, einer gelben Karte für Ljubicic und der Führung geht es nach rund vier Minuten Nachspielzeit mit Applaus in die Kabinen. Die Fanbox ist noch fröhlicher drauf als sonst, der Plausch „Fanbelange aktuell“ geht ein wenig unter, da alle sich auf die große Sause nach dem Abpfiff freuen.
Der S04 kommt personell unverändert wieder auf dem Platz; bei Braunschweig ersetzt Yardimci Mijatovic. Die Nordkurve skandiert „Stadionverbote halten uns nicht auf“ und „Für die Jungs, die draußen steh’n“ und setzt dann zu einer längeren „Schalke ist gut, Schalke ist toll…“-Schleife an.
Hoffmann pariert stark gegen Sylla (51.), Karius klärt gegen Yardimci und wird mit Sprechchören gefeiert. Der S 04 ist wieder daaaaa… und die Nummer 1 im Pott sind sowieso wir. Nach einer guten Stunde dann ein Doppelwechsel bei Schalke: Vitalie Becker darf für Ndiaye ran, Dzeko kommt für Ljubicic. Bei Braunschweig kommt Heußer für Kaufmann. Heußer führt sich direkt mit einem herzhaften Rempler gegen Vitalie Becker ein und sieht prompt Gelb (70.). Den fälligen Freistoß zirkelt Aouchiche mit viel Gefühl knapp am oberen rechten Eck vorbei.
Die Zwischenstände der anderen Plätze sorgen immer wieder für Erstaunen bzw. Zittern auf Braunschweiger Seite; auf dem eigenen Feld passiert außer mehren Auswechslungen nicht mehr viel. Katic (für Ayhan) darf sein Comeback feiern (72.), Gantenbein und Antwi-Adjei ersetzen Aouchiche und Sylla (81.), während die Nordkurve selig Oppa Pritschikowski, den geilsten Club der Welt und den Schalkewalzer feiert. „Für deine Farben“, „Immer wieder S04“, der Mythos und schließlich der titelgebende „Kaiser im Revier“ komplettieren das königsblaue Gesangbuch.


Freude pur
Eine letzte Chance für Dzeko (85.), dann swingt das Spiel einem friedlichen Ende entgegen. Über den Würfel flimmern derweil dringende Warnungen vor dem Betreten des Innenraums. Nach drei Minuten Nachspielzeit ertönt der Pfiff, eine mehr als denkwürdige Saison hat ein ordentliches Ende gefunden. Und nach wenigen Sekunden jubeln auch die Braunschweiger mit, da sie durch die hohe Niederlage von Fortuna Düsseldorf um ein Törchen haarscharf der Relegation entgehen.
Schalke steigt als unangefochtener Meister mit respektablen 70 Punkten in die erste Bundesliga auf, das hätte vor 12 Monaten an gleicher Stelle wohl niemand für möglich gehalten. Überglücklich stürmen die Spieler zur Nordkurve, während im Hintergrund fieberhaft das Podest für die offizielle Übergabe der Schale aufgebaut wird.
Als erstes erhält Kapitän Karaman die Trophäe für den „Zweitligaspieler der Saison“ und wird mit Sprechchören gefeiert. Auch Miron Muslic bekommt einen Extraapplaus und wird prompt von der Mannschaft in die Luft geworfen, während die Fans sein erklärtes Lieblingslied, den Eurofightersong, rausbrüllen. Einfach. Nur. Schön.
Dann ist alles vorbereitet, das Podest steht, die Braunschweiger bilden eine Gasse, die DFl-Geschäftsführer sind da – und die Schalker gehen, angeführt von Timo Becker, einzeln zur Medaillenübergabe. Als letzter in der Reihe nimmt der Kapitän seine Medaille und die Schale entgegen und reckt sie unter ohrenbetäubendem Jubel in den Gelsenkirchener Himmel. Schalke on fire…
Dann übernehmen wieder die Fans: Während jeder Spieler einmal die Schalke halten darf, erklingt „Ooooh, wie ist das schön“ und „Schalke ist der geilste Club der Welt“. Ob ich verroste und verkalke…
Während die Mannschaft mitsamt Schale zum Gruppenfoto schreitet, ergreift „Bierkapitän“ Timo Becker das Mikro und röhrt hinein „Wir wollen uns bedanken: Eine Stunde Freibier!“. Das kommt natürlich gut an, ebenso wie der folgende Gang der Mannschaft mit der Schale vor die Kurve und auf die Ehrenrunde. Schöne Geste: Es gibt noch ein riesiges gemeinsames „Mannschaftsfoto“ der Spielern mit allen Schalker Mitarbeitern, die im Hintergrund zu dem Erfolg beigetragen haben. Auch Kurucays kleinem Sohn fliegen die Herzen zu.
Anschließend gibt’s noch Live-Mukke vom „Königblauen S04“ über „Sweet Caroline“ und den Motherfunkers bis zu „We are the champions“. Maskottchen Erwin sitzt derweil vor Glück weinend auf dem Rasen und nicht wenige heulen aus Sympathie und weil die ganzen Gefühle irgendwo hinmüssen, einfach mit. Datt is Schalke. Nach Freibier und ausgiebiger Party zeugt sich die komplette Mannschaft noch einmal an der Tausend-Freunde-Mauer den feiernden Fans, die dort auf die angekündigte Drohnenshow warten. Timo Becker übernimmt das Megaphon und ab geht die wilde Luzie…



Ganz viele Bilder zum Feiern gibt’s hier
