Nürnberg – Schalke 3:0: Die tun nix, die wollen nur trinken
11. Mai 2026Der 1. FC Nürnberg gewinnt das letzte Heimspiel der Saison gegen die bereits als Zweitligameister feststehenden Fanfreunde vom FC Schalke 04 verdient mit 3:0 (2:0). Der blendenden Laune der knapp 25.000 ins schöne Franken mitgereisten Schalker tut der schlappe Kick ihrer Aufstiegshelden jedoch keinen Abbruch, sie feiern von Freitag bis Sonntag durch. Susanne Hein-Reipen berichtet.
Schaaaalke und der FCN, das ist nicht nur ein Fußballspiel, das ist viel mehr und so rollen bereits am Donnerstag die ersten Ruhrpottler in Nürnberg an, die am Freitag bei allerbestem Wetter nahezu stündlich Verstärkung kriegen. Rund um den Handwerkerhof und die Königstraße sind alle Lokalitäten fest in königsblauer Hand, auch der Campingplatz ist königsblau. Entsprechend lang und feuchtfröhlich wird die Nacht…
Wir sind nur zum Feiern hier
Am Samstag bekommt die Invasion weitere Verstärkung. So mancher „neutraler“ Trödelmarktbesucher ist sichtlich erstaunt über die königsblau-rote Horde. Aber die tun nix, die wollen nur trinken.
Am frühen Nachmittag wird in einigen Innenstadtknappen das Bier knapp und so verlagert sich die ebenso gutgelaunte wie friedliche Meute ins Gärtla und zu Gutmann am Dutzendteich – die dortige Besatzung zapft um ihr Leben, während sich Knappen und Glubberer selig singend in der Armen liegen. So sollte Fußball viel öfter sein. Nur einigen Teilnehmern des Nürnberger Mammutmarschs, die sich stolz mit ihren Finishermedaillen und dem Wunsch nach einem Kaltgetränk in den Biergarten schleppen, stockt angesichts des Andrangs kurz das Herz.
Die UGE marschieren derweil mit den Nürnberger Ultragruppierungen zur Max-Morlock-Arena, wobei die Melodie von „S04 nur im Wir“ zu „S04 FCN“ abgewandelt wird. In Bestlaune geht es dann ins Stadion, wo erst einmal Simon Terodde am Sprechertisch mit Sprechchören gefeiert wird. Bei der letzten Schalker Aufstiegsparty in Nürnberg 2022 stand er noch auf dem Rasen.
Schalke und der FCN
Die Begrüßung ist herzlich; einige Schalker wundern sich, seit wann der Glubb ein Nashorn als Maskottchen hat – des Rätsels Lösung: Rhinola wurde erst vor knapp anderthalb Jahren eingeführt und ist an den berühmten Holzschnitt von Albrecht Dürer angelehnt.
Die Keeper kommen aufs Feld, der frisch gebackene Papa Karius hat Familienurlaub, für ihn steht Müller im Tor. Immer wieder wird gemeinsam „Schaaalke und der FCN“ angestimmt, auch „Nie mehr zweite Liga“ steht hoch im Kurs. Beide Mannschaften werden vom gesamten Stadion mit Applaus empfangen.
An Liedgut herrscht ohnehin kein Mangel, das Schalker Vereinslied „Blau und Weiß, wie lieb ich Dich“ darf ebenso wenig fehlen wie „Was singt heute jeder Fan? – Schalke und der FCN“. Die „Miniclubberer“ werden auf ihrer Stadionrunde allseits beklatscht, ebenso die U23 des FCN, frischgebackener Meister der Regionalliga Bayern.


Gänsehaut pur bei der Legende
Die Schalker Aufstellung wird durch S04-Quatscher Dirk verlesen: Müller, V. Becker, Sanchez, Ayhan, T. Becker, Schallenberg, El-Faouzi, Aouchiche, Karaman, Ljubicic und Dzeko gehen ins Rennen. Für den Club starten Mathenia, Danilo Soares, Lochoshvili, Gruber, Koudossou, Fernandez, Markhiev, Lubach, Beccker, Justvan und Zoma.
Dann ist es endlich so weit: Gemeinsam wird aus vollem Herzen die wunderschöne Hymne „Die Legende lebt“ geschmettert, während sich über die komplette Gegengerade die Choreo aufbaut: Schalke & Nürnberg auf rot-schwarzem bzw. blau-weißem Grund, dazu die Stadtwappen. Umringt von vielen Großfahnen kommen beide Mannschaften auf den Rasen.
Nach dem Anpfiff legen beide Blöcke mit starkem Support los, während im jeweiligen Fanblock auch eine große Fahne der „anderen“ Ultras weht. Der Gästeblock beginnt mit „Kohle unter uns‘ren Füßen“ und „Schalke ist die Macht“.
Restalkohol gegen Motivation
Die erste Viertelstunde des Spiels ist noch halbwegs ausgeglichen, dann wird schnell klar: Der FCN ist hier und heute besser drauf und erzwingt in der 19. Minute die verdiente Führung, als ein Abschluss von Gruber von Schallenberg zum 1:0 für die Hausherren abgefälscht wird. Danach rückt Soma in den Mittelpunkt des Geschehens, doch seine zwei „Treffer“ zählen wegen Abseits nicht (27., 45.).
Der Gästeblock erkennt, dass die ausgiebigen Aufstiegsfeiern nicht spurlos am Team vorbeigegangen sind, supportet aber munter weiter mit „Wir rasten aus für deine Farben“. Vitalie Becker kassiert die erste gelbe Karte des Spiels – und dann stellt Koudossou nach Vorarbeit von Gruber mit rechts auf 2:0 (45+1.). Im der Nordkurve flammen sofort wieder einige Bengalos auf, die Schalker trösten sich mit „Nie mehr 2. Liga“, während von „drüben“ „Immer wieder FCN“ herüberweht. Noch eine gelbe Karte für Finn-Ole Becker, dann ist Pause.
Die Pause wird einfach durchgesungen, nach „Sweet Caroline“ ist „Der FC Schalke wird deutscher Meister und wir holen den Pokal“ an der Reihe.


Gelsenkirchner Sängerknaben
Miron Muslic bringt Ndiaye für den gelbbelasteten Vitalie Becker; Koudossou setzt einen Ball an den Außenpfosten (47.), auf der Gegenseite rettet Lochoshvili auf der Torlinie gegen El-Faouzi. Die Schalker gehen nun etwas energischer zur Sache und werden prompt mit „Steht auf, wenn Ihr Schalker seid“ und dem Eurofightersong unterstützt.
Das Spiel ist in dieser Phase etwas ausgeglichener, ohne dass sich eine Mannschaft wirklich zwingende Chancen erarbeiten kann. Ayhan bekommt Gelb für ein taktisches Foul an Markhiev (62.), der Gästeblock arbeitet sich musikalisch an einem gewissen schwarzgelben Verein ab und schwenkt dann über eine erneute kleine Schleife „Nie mehr zweite Liga“ zu „Königsblaue Eurofighter sind Europas Spitzenreiter“ und dem Mythos vom Schalker Markt über. Mit viiiiiel Gefühl bitte.
Antwi Adjei darf für Schallenberg ran (64.), beim FCN ersetzen Yilmaz und Porstner Danilo Soares und Lubach (68.). Wenig später, als die Schalker gerade „Oppa Pritschikowski“ beschwören, kommt Dzeko für Sylla (71.) – aber das nächste Tor macht nicht der bosnische Stürmerstar, sondern Zoma steht beim dritten Anlauf nicht im Abseits und erzielt das 3:0 (72.). Danach kassiert der Torschütze direkt Gelb, weil er beim Jubeln eine schwarze Maske aufsetzt.
Bundesliga ohne Schalke ist wie Taxiteller ohne Gyros
Auch der dritte Gegentreffer erschüttert niemanden, da der FCN bereits gerettet ist, ist keine Wettbewerbsverzerrung zu besorgen und die Fete haben die Jungs sich einfach verdient. „Blau und Weiß ein Leben lang“, „Oh wie ist das schön“ und „Uns’re Fahnen weh‘n im Wind“ heißt es stattdessen.
Für Schmunzeln sorgt das Banner „Bundesliga ohne Schalke ist wie Taxiteller ohne Gyros“, mit dem die Nordkurve Nürnberg ihre Glückwünsche zum Aufstieg übermittelt. Schaaaalke und der FCN…
Auf dem Rasen passiert außer zahlreichen Auswechslungen nicht mehr wirklich viel. Derweilen warnt der Stadionsprecher eindringlich vor einem Platzsturm, während vor der Gästekurve zwei dichte Reihen Ordner Aufstellung nehmen. Die Fans bleiben jedoch komplett friedlich und singen weiter, „Der S04 ist wieder da“, „Die Nummer 1 im Pott sind wir“ und natürlich „Nie mehr zweite Liga“.

Gemeinsame Party bis zum Morgengrauen
In der dreiminütigen Nachspielzeit setzt Ayhan einen Kopfball neben das Tor, während die Gästekurve zum „Schalkewalzer“ dem Schlusspfiff entgegenswingt. Aus!
Der Partymarathon kann starten: Noch eine „Legende“ kann nichts schaden, dann wird „Kenan Karaman, Karaman!“ mit Sprechchören gefeiert, während er von Terodde interviewt wird. Zu „Schalke und der FCN“ gehen beide Mannschaften erst in ihre Kurve und dann auf die Stadionrunde – und werden auch von den „gegnerischen“ Blöcken abgefeiert. Schön!
Als die Schalker von der Ehrenrunde zurückkommen, werden sie erneut vor die Kurve gelockt und stürmen nur zu gerne los – koooooomm…
Schalke bleibt trotz der Niederlage uneinholbar Erster, der Club springt mit 45 Punkten auf einen respektablen 8. Tabellenplatz. Feiernd geht es gemeinsam über einige Umwege zur S-Bahn Richtung HBF und in die Altstadt.
„Nachspiel“ in St. Sebaldus
Für alle Clubfans und Schalker, die es trotz der ausgiebigen Sause rechtzeitig aus dem Bett schaffen, hält der Sonntagmorgen ein besonderes Highlight bereit: Freundschaftsgottesdient in der Kirche St. Sebaldus – Traditionsfahnen, Vorsänger, Stadiongesänge und alle in der Stadt vertretenen Religionen in FREUNDSCHAFT vereint. Die oft genug gescholtenen Fußballfans als Vorbild für die Welt!

Alle Bilder findet Ihr im großen Fotoalbum hier
