Bochum-Schalke 0:2: Schalke vergeigt das Nicht-Derby
1. Februar 2026Der FC Schalke 04 verpennt die erste Halbzeit des Nachbarschaftsduells beim VfL Bochum und verliert mit 2:0 (2:0). Susanne Hein-Reipen ärgert sich…
Egal, ob man diese Begegnung nun Derby (so die Bochumer) oder Nachbarschaftsduell (so die Schalker, deren erklärter und einziger Derbygegner schwarz-gelb trägt) nennt: Alle wollen dabei sein. Alleine Schalke hatte 23.000 (!) Anfragen für Auswärtstickets. Da das Fassungsvermögen insbesondere des Gäste-Stehblöckchens sehr begrenzt ist, versorgen sich viele Schalker inkognito in den anderen Bereichen und stellen fest, dass die Verewigung legendärer Spieler hinter Ostkurve und Haupttribüne gar keine schlechte Idee ist.
Deutlich weniger kreativ kommen die Bochumer Gesänge rüber, das wie von Kleinkindern in der analen Phase trotzig mehrfach wiederholte „Scheixxe 04“ klingt aber immerhin auf dem Platz wie „Schalke 04“. Das „Auf ein faires Derby“ des Stadionsprechers hilft da auch nicht wirklich.
Die Perle im Revier
Während sich die Mannschaften warmmachen, ist am sky-Tisch ein gutgelaunter Simon Terodde zu Gast. Die Ostkurve möchte offenbar dieses Mal besser supporten als beim letzten Gastspiel des großen Nachbars und skandiert „VfL, VfL“ und „Immer wieder VfL“, dann flackern Fangrüsse über die beiden Anzeigetafeln. „Don‘t worry be happy“ geht dann in „Auf geht‘s Schalke kämpfen und siegen“ über. Mit einer „Attacke – Bochum ist kacke!“ – und „Jeder Schalker ist ein H*rensohn“ werden weitere Liebenswürdigkeiten ausgetauscht.
Während der Verlesung der Schalker Aufstellung – Trainer Miron Muslic hat sich angesichts der vielen Verletzten für Karius, Sanchez, Katic, Ayhan, Becker, Ljubbicic, Schallenberg, El-Faouzi, Karaman, Gomis und Wallentowitz entschieden – ertönt wieder „Scheixxe 04“, prompt beantwortet mit „Scheixx VfL“. Konstruktiver, wenn auch etwas arg pathetisch ist „VfL mein Herz schlägt nur für Dich“ vom Band.
Nach Verlesung der Aufstellung der Hausherren kommen die Mannschaften auf das Spielfeld und gruppieren sich gemeinsam hinter das „WeRemember“-Banner anlässlich des Gedenktags an die Opfer des Nationalsozialismus‘ in der vergangenen Woche. Die Ostkurve zeigt derweil zu den Klängen des unvermeidlichen Grönemeyer-Songs „Bochum“ eine kleine Choreo „VfL – Perle im Revier“. Naja.






Schalke wird kalt erwischt
42 ist ja bekanntlich im Universum die Antwort auf alles, aber so hatten sich die Schalker das garantiert nicht vorgestellt: Bochum stößt an, über Marshall landet der Ball bei Holtmann auf der linken Seite und dann in der Mitte, wo Miyoshi am schnellsten schaltet und nach genau 42 Spielsekunden zum 1:0 vollstreckt.
Der Bochumer Anhang freut sich, die Schalker möchten sich übergeben, stattdessen entwickelt sich in der Folgezeit zumindest auf den Rängen ein spannendes Duell um die Supporthoheit. „Der VfL aus Bochum wird niemals untergeh’n“, „Schalke nur du alleine bist meine Liebe, mein ganzes Le-he-ben“, „Steht auf für den VfL“ und „Hurra, hurra, die Schalker die sind da“ schenken sich nichts.
Auf dem Platz schütteln sich die Schalker Spieler einmal kurz und versuchen dann, über Katic (5.), El Faouzi (7.) und Wallentowitz (10.) auszugleichen, ohne Erfolg. Stattdessen gibt es eine bange Minute, als Abwehrkante Katic nach einem Kopfballduell mit Hofmann behandelt und zunächst leicht benommen vom Platz muss, während einige Bochumer auf der Haupttribüne rumgeifern und ihm einen Schädelbasisbruch wünschen. Zum Glück für Königsblau kann der bosnische Hüne jedoch weiterspielen und direkt gegen Miyoshi klären (21.).
Wer Euch brechen will, wird daran zerbrechen
Der Gästeblock zeigt ein zweiteiliges Banner mit den Aufschriften „Wer Euch brechen will, wird daran zerbrechen/Gegen alle Betretungsverbote“. Die Ostkurve singt „Zweite Liga tut schon weh“. Auf dem Rasen haben sich derweil Miyoshi und Schallenberg bei einem Zusammenprall wehgetan, können aber beide nach kurzer Behandlung weiterspielen.
Gomis verfehlt das Bochumer Tor (31.), auf der Gegenseite findet Holtmanns in Karius seinen Meister (35.). Das Spiel geht jetzt hin und her. An der Seitenlinie titscht derweil Bochum-Coach Uwe Rösler wie von der Tarantel gestochen in kurzer Hose herum, während Miron Muslic wenige, aber präzise Anweisungen gibt.
Die Gästekurve übt sich im Schals schwenken „FC Schalke He-hooooo“, die Ostkurve intoniert „Wir sind alles Bochumer Jungs“ – und Philipp Hofmann, der vor 15 Jahren mal für die Schalker Amateure am Ball war, erzielt nach Hereingabe von Holtmann via Unterkante der Latte das 2:0 (44.). Sch…ade.
In der vierminütigen Nachspielzeit gibt’s eine gelbe Karte für den zweifachen Vorlagengeber Holtmann wegen Ballwegschlagens, dann ist Pause.






Dzeko kommt
Die mitgereisten Schalkefans können der Pausenunterhaltung wenig abgewinnen und beten, dass Edin Dzeko wie in der Vorwoche die Wende bringt. Und wirklich: Der bosnische Starstürmer darf zum Wiederanpfiff für Wallentowitz ran, beim VfL kommt Alfa-Ruprecht für den gelbbelasteten Holtmann.
Die Ostkurve zeigt ein Beileidsbanner „Kalo paradiso Paok Fans“ für die sieben auf dem Weg zum Europaleague-Auswärtsspiel bei Olympique Lyon bei einem schweren Verkehrsunfall ums Leben gekommenen Fans. Marshall sieht Gelb für ein Foul an Schallenberg (47.).
Dzeko kann eine schöne Flanke von El Faouzi nicht verwerten (51.), kurz darauf scheitern Karaman und im Nachschuss Gomis an Horn (52.). Nach einem Freistoß von Schallenberg erzielt Katic per Kopf das vermeintliche 1:2, aber Schiedsrichter Bacher entscheidet auf Offensivfoul (55.). Passlack ersetzt Miyoshi, der unter Ovationen des Bochumer Publikums zur Bank zurückläuft (62.). Onyeka foult Gomis und sieht Gelb (64.).
VAR und Horn: Schalke läuft die Zeit davon
Dem Gästeblock gefällt die bessere Darbietung der zweiten Halbzeit und „Olé blau-weiß“ und „Singen FC Schalke“ werden mit viel Stimmeinsatz rausgebrüllt. Katic grätscht Passlack den Ball vom Fuß (69.), dann bringen beide Trainer noch einmal frisches Personal: Sobottka kommt für Marshall, Younes ersetzt Gomis (70.).
Dann reißen alle Schalker die Arme hoch, dann Kapitän Karaman erzielt den Anschlusstreffer – aber zu früh gefreut, das 1:2 wird nach Studium der Videobilder zurückgenommen, weil Bacher ein Handspiel von Dzeko im Vorfeld erkannt hat (78.). Das gleiche „Schicksal“ erleidet auf der Gegenseite ein Treffer wegen Handspiels von Sobottka.
Muslic ersetzt den bemühten, aber glücklosen Sanchez durch Debütant Tim-Justin Dietrich, bei Bochum dürfen Rakneberg und Masovic für Wittek und Onyeka ran (82.). Den Rest der regulären Spielzeit verbringt Schalke mit ergebnislosem Anrennen; außer einer gelben Karte für Passlack wegen eines überflüssigen Fouls an Karius vergeht auch die fünfminütige Nachspielzeit ohne nennenswerte Aktionen. Beim Abpfiff darf sich der VfL daher über einen 2:0-Heimsieg freuen.






Schlagen wir zurück?
Schalke hingegen bleibt im vierten Spiel hintereinander sieglos und holt nur 2 der möglichen 12 Punkte. Zwar steht noch Platz 1 zu Buche, aber das kann sich noch an diesem Spieltag ändern, falls Darmstadt oder Paderborn ihre Auswärtsspiele gewinnen.
Muslic zeigt sich in der Pressekonferenz überzeugt, dass die Mannschaft diese Phase überwinden kann „Ich bin absolut überzeugt, dass die Jungs eine Reaktion zeigen werden. Die aktuelle Phase ist eine Herausforderung, aber davon haben wir schon einige in den vergangenen Monaten bewältigt. Ich bin mir sicher – wir schlagen zurück!“ Auch die Gästekurve honoriert die Leistungssteigerung im zweiten Durchgang und skandiert den Klassiker „Auf geht’s Schalke kämpfen und siegen“.
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