Schalke – Bielefeld 1:0: Schalke feiert drei Malocherpunkte
7. März 2026Der FC Schalke 04 besiegt Arminia Bielefeld dank eines Abstaubertors von Dzeko im Freitagabendspiel verdient mit 1:0 (1:0) und bleibt Tabellenführer der zweiten Bundesliga. Susanne Hein-Reipen über einen Abend mit Punkten, Party und Pyrotechnik…
Bei allerbestem Vorfrühlingswetter rollt die königsblaue Karawane bereits früh über die dichtbevölkerten Autobahnen Richtung Veltins-Arena, um sich an den einschlägigen Fantreffs mit Gleichgesinnten endlich wieder ohne Daunenjacke und Regenschirm auf das Spiel einzustimmen. „Heute MUSS gewonnen werden!“ dürfte der populärste Satz sein.
Königsblauer S 04
Beim Auflaufen des Torhüterteams zum Warmmachen wird klar: Stammkeeper Karius ist nicht rechtzeitig fit geworden und wird erneut von Müller vertreten. Während sich die Mannschaften aufwärmen, läuft das bekannte Vorprogramm mit den Ergebnissen der Frauen- und Jugendmannschaften, Spieltagsangebot und Co. In der Nordkurve sind derweil etliche königsblaue Sturmhauben zu erkennen, dazu wird einige Zeit unter zwei quergelegten Fahnen „operiert“, so dass Kenner mit mindestens einer Pyroeinlage rechnen.
Der gutgefüllte Gästeblock ölt derweil schon mal deutlich hörbar die Kehlen, bis die Nordkurve in XXL-Lautstärke „Stadion geh’n, im Pappbecher Bier“ raushaut. Die Verlesung der Bielefelder Aufstellung wird mit „Hier regiert der S04!“ quittiert.
Die Aufstellung der Hausherren – Chefcoach Miron Muslic stellt Müller, Ndiaye, Kurucay, Ayhan, Becker, Schallenberg, El-Faouzi, Aouchiche, Karaman, Ljubicic und Dzeko in die Startelf – wird lautstark rausgebrüllt, dann greift Florians-Frontman Arnd Kotlenga zum Mikro und performed den „Königsblauen S 04“.






Kurzes Spektakel zum Einlaufen
Es ist ein Abendspiel und so gehen pünktlich zum Steigerlied die Lichter aus – auch wenn es noch nicht vollständig dunkel ist, ein durchaus stimmungsvoller Moment. Danach kommt ein kurzer Liebesgruß der Nordkurve Richtung Ostwestfalen und die Mannschaften betreten, angeführt vom Schiedsrichterteam um Tobias Reichel, das Spielfeld.
Während sich die Spieler zu den Klängen des Vereinslieds „Blau und Weiß, wie lieb ich Dich“ aufreihen, bietet die Nordkurve ein optisches Spektakel: Eingehüllt von blauen Rauchtöpfen an den Seiten erhellen zahlreiche weiße Stroboskoplichter die Szenerie. Los GEht’s!
Und es geht ziemlich schwungvoll los: „Unsere Fahnen weh’n im Wind“ ist kaum angestimmt, als Müller bereits gegen den auf ihn zustürmenden Grodowski rettet (1.). Auf der Gegenseite weckt Ljubicic ebenso früh Arminia-Schlussmann Kersken auf (2.), bevor wieder Müller gegen Grodowski ranmuss (3.).






Same procedure as every heimspiel: Dzeko trifft
Der schwungvolle Beginn gefällt den Fans, da macht der Support mit Schalker Liedgut von „Steht auf“ und „Eine Stadt erstrahlt in Blau“ über „Auf geht’s Schalke kämpfen und siegen!“ bis zur Attacke doppelt Spaß. Mitten in „Für Deine Farben leben und sterben wir“ hinein platzt dann der umjubelte Führungstreffer: Ecke Aouchiche, Ayhan köpft aus kurzer Distanz an die Latte, von dort landet der Ball genau vor den Füßen von Dzeko, der sich natürlich nicht zweimal bitten lässt und mit dem rechten Fuß zum 1:0 trifft (15.). Ein Leben laaaaang…
Der Treffer verleiht Schalke Oberwasser und so kommt es zu zwei Vorstößen von Ndiaye und Becker, bevor das Spiel pünktlich zum Sonnenuntergang für eine kurze Trinkpause für die Spieler, die zum Ramadan fasten, unterbrochen wird. Aus Reihen der Schalker gehen gleich mehrere Spieler auf die Knie.
Die Gäste bemühen sich nun sichtlich um den Ausgleich, aber Müller entpuppt sich als sicherer Rückhalt und klärt gegen Rochelt (29., 34.). Aus der Nordkurve ertönt „Schalke nur Du alleine“ und „Jeden Tag und jede Nacht“, kurz unterbrochen von einem kollektiven Stoßseufzer, als Dzeko aus spitzem Winkel das Außennetz trifft (41.). Kurz darauf muss Kersken Kopf und Kragen riskieren, um einen strammen Schuss von El-Faouzi von der Strafraumkante um den rechten Pfosten zu lenken (42.).






Optimistisch in den zweiten Durchgang
In der 04minütigen Nachspielzeit dürfen beide Torhüter – Müller gegen Uldrikis, Kersken gegen Karaman – noch einmal ihr Können zeigen, dann geht es mit Applaus in die Kabinen. Tenor beim Halbzeitbierchen ist „Dzeko steht immer da, wo ein Stürmer stehen muss“, auch Ayhan und Ndiaye verdienen sich ein Sonderlob.
Nach der Fanbox gibt es bei „Fanbelange aktuell“ Fotos vom Kabinengespräch mit Youri Mulder, eine kleine Vorschau auf das Sommertrainingslager im Stubaital und den Hinweis auf das Testspiel in Schweinfurt.
Mit einer herzhaften Attacke und „Geh‘n mit Dir auf jede Reise“ läutet die Nordkurve die zweite Halbzeit ein. Die Mannschaften sind personell unverändert und Boakye grüßt direkt das Außennetz (47.). Wenig später schießt Karaman knapp am langen Pfosten vorbei (52.); Corboz sieht für einen Tritt gegen Ndiaye die erste gelbe Karte des Spiels (54.).
Offener Schlagabtausch
Karaman und Dzeko versuchen sich an einem Doppelpass, in dessen Folge Sicker den Abschluss des Schalker Kapitäns gerade noch zur Ecke abfälschen kann (55.). Kurz darauf wechselt Bielefeld-Coach Mitch Kniat zum ersten Mal, Sarenren Bazee, Lannert und Mehlem kommen für Rochelt, Boakye und den Gelb-Rot-gefährdeten Corboz (59.).
In der Folgezeit reißt es die Schalker in der mit 62.077 Zuschauern ausverkauften Arena zweimal von den Sitzen, aber Kersken klärt mit tollen Reflexen gegen Becker und Dzeko (61.) und Schallenberg setzt den Ball haarscharf über die Latte (63.). Aus der Kurve dröhnt „Auf geht‘s Schalke schieß‘ ein Tor“ und „Wir lieben alle nur den FC Schalke“, Ndiaye muss kurz an der Seitenlinie behandelt werden, beißt aber auf die Zähne – und Karaman verfehlt das 2:0 um wenige Zentimeter (68.).
Kurz darauf herrscht fröhliches Getümmel im Schalker Strafraum, als plötzlich ein Pfiff ertönt und sich alle einschließlich Schiri verdutzt anschauen, denn der Pfiff kam offenbar aus dem Publikum (70.). Yasar ersetzt Wöhrl, dann verpasst Sarenren Bazee den möglichen Ausgleich, als er an einer Hereingabe von Grodowski vorbeisegelt (74.). Russo kassiert für ein Foul an Ljubicic seine fünfte Gelbe (77.).






Spannung bis zur letzten Minute
Nunmehr bringt auch Muslic frisches Personal und bringt zu den Klängen von „Immer wieder S04“ Sanchez für Ndiaye, dessen Einsatz mit einem Extrapplaus belohnt wird, und Bachmann für Ljubicic (78.). Wenig später fährt den Schalkern der Schreck in die Knochen, denn Grodowski hat das vermeintliche 1:1 erzielt (81.), aber noch in die Meckereien der Marke „wenn man die Dinger vorne nicht macht, rächt sich das hinten“ hinein meldet sich der VAR zu Wort und befindet nach kurzer Beratung auf Abseits.
Muslic wappnet sich jetzt für die Bielefelder Schlussoffensive und bringt Sylla für Dzeko und Wallentowitz für Aouchiche (85.), bei den Gästen wird Grodowski durch Telalovic ersetzt. Wirklich zwingende Aktionen bleiben aber sowohl in der regulären Spielzeit als auch der 6minütigen Nachspielzeit Mangelware. Mit der Einwechslung von Gomis für Karaman (90+4.) rinnen weitere Sekunden von der Uhr, bis der Schlusspfiff alle Königsblauen erlöst.






Pyroparty und pure Erleichterung
Der Stein, der allen Schalkern von den Herzen plumpst, ist riesig, zumal Verfolger Elversberg sein Heimspiel gegen Magdeburg ebenfalls mit 1:0 gewonnen hat. Dementsprechend groß ist der Jubel, als die Mannschaft den „Lockrufen“ erliegt und ausgelassen Richtung Kurve stürmt, angeführt von Timo Becker. In N3 und in Block I flammen einige rote Bengalos auf und Mannschaft wir Fans hüpfen ausgelassen herum und feiern drei hart erkämpfte Punkte. Besonders schön ist, dass die Mannschaft mit der großen Jubelwelle zu „Geh’n mit Dir auf jede Reise“ wartet, bis auch die angeschlagenen Spieler aufgeschlossen haben. Zu „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ geht es dann auf die Stadionrunde.
Durch den Dreier kommt Schalke nunmehr auf stolze 50 Punkte aus 25 Spielen und bleibt mindestens eine weitere Woche lang auf dem Platz an der Sonne; Arminia muss nach drei Niederlagen in Folge mit insgesamt 27 Punkten wieder verstärkt nach unten schauen, der Relegationsrang ist vor den Samstagsspielen nur noch zwei Punkte entfernt.
Während sich beide Trainer in der Pressekonferenz einig sind, dass es ein intensives Spiel war, in dem Schalke aufgrund der besseren Torchancen letztlich knapp, aber verdient gewonnen hat, geht die ausgelassene Party innen im Arenaumlauf und auf dem Arenaring draußen weiter. Aber Kenner wissen: Gegen das, was im Falle des hoffentlichen Aufstiegs los ist, ist das nur ein netter Kindergeburtstag…



