Elversberg – Schalke 1:2: Geile Moral trotz Ausfällen und Unterzahl

Elversberg – Schalke 1:2: Geile Moral trotz Ausfällen und Unterzahl

13. April 2026 1 Von Susanne Hein-Reipen

Der FC Schalke 04 siegt trotz frühem Rückstand und ungerechtfertigter gelb-roter Karte für Ndiaye verdient mit 1:2 (1:1) im Spitzenspiel bei der heimstarken SV Elversberg und bleibt Tabellenführer. Die mitgereisten Fans honorieren die kämpferisch und moralisch tolle Leistung mit Jubelstürmen und sind mehr denn je optimistisch, dass diese eingeschworene Truppe den Aufstieg schafft. Susanne Hein-Reipen berichtet… 

Weil sich die „Ursapharm-Arena an der Kaiserlinde“ nach wie vor im Umbau befindet – die bisherige Gegengerade ist abgerissen, dafür ist die neue Sparkassentribüne an der Nordseite fertig – , sind die Auswärtstickets noch knapper und begehrter als sonst. Die Glücklichen, die eins ergattern konnten, trudeln bereits zur Frühstückszeit im Saarland ein und sind wie bereits bei den ersten beiden Gastspielen begeistert von der Freundlichkeit und Bodenständigkeit der „Eingeborenen“: Ob Ordner oder Grillmeister, schwarz-weiße Fans oder Polizisten, alle heißen die Ruhrpottler tiefenentspannt herzlich willkommen. Curry Schörry und der Gourmet-Grill locken mit leckerem Grillgut (wer Lyoner nicht kennt, hat kulinarisch wirklich etwas verpennt) und kaltem Bier an gedeckten Tischen. Auch die zwei Tanken unmittelbar neben dem Stadion können sich nicht über mangelnden Flüssigkeitsumsatz beklagen.

Gastfreundschaft pur und der Traum von Liga 1

Gut verpflegt machen sich Schalker wie Elversberger einträchtig auf ins Stadion. Die Einlasskontrollen sind flott und fair, die Aufteilung der neuen Tribüne – über dem Gästesitzblock gibt es „VIP-Stehplätze“ für Heimfans? – etwas gewöhnungsbedürftig, doch es fliegt nicht ein einziger Becher.  

Zunächst kommt das Torhüterteam der SVE zum Warmmachen auf den Rasen, bald gefolgt von Karius und Co. Über der Heimtribüne prangt „Unser Saarland Unsere Heimat Unsere Elv“; zur Begrüßung gibt’s erstmal unser Vereinslied „Blau und Weiß, wie lieb‘ ich Dich“ in voller Länge. Dankeschön!

Beide Teams werden von ihrem Anhang freudig begrüßt; jetzt ist musikalisch „Schwarz wie Kohle, weiß wie Schnee“ angesagt. Die Begrüßung durch den Stadionsprecher ist laut und freundlich: „Herzlich willkommen und glückauf!“. Das geplante gemeinsame Steigerlied geht leider ziemlich unter, weil der Gästeblock gerade in einer lauten und langen Schleife des „Traums von Liga 1“ steckt.

Fehlstart de luxe

Trainer Miron Muslic startet mit Karius, Ndiaye, Kurucay, Katic, Becker, Schallenberg, El-Faouzi, Aouchiche, Ljubicic, Gomis und Sylla; sein Gegenüber Vincent Wagner lässt zunächst Kristof, Günther, Rohr, Pinckert, Keidel, Poreba, Condé, Zimmerschied, Pherai, Petkov und Schnellbacher ran.

Der Gästeblock supportet von der ersten Sekunde an lautstark mit „Auf geht‘s Schalke kämpfen und siegen“ und „Immer wenn Du spielst“, aber auf dem Rasen regieren die Hausherren und gehen bereits in der 04. Minute durch einen Konter von Schnellbacher mit 1:0 in Führung. Der Jubel bei den SVE-Fans ist naturgemäß groß, die mitgereisten Schalker sind not amused, skandieren aber weiter „S! 0! 4!“

Die nächsten Minuten lassen die Sorgenfalten nur bedingt kleiner werden, Ndiaye fängt sich wegen eines Fouls an Petkov eine frühe gelbe Karte (7.) und Elversberg bleibt mit Zimmerschied, Pinckert und Günther im Vorwärtsgang.

Soufiane El-Fischer

Nach einer guten Viertelstunde kommt Schalke, frenetisch angefeuert mit „FC Schalke schalalala“,  „Auf geht‘s Schalke schieß‘ ein Tor“ und „Geh‘n mit Dir auf jede Reise“ zunehmend besser in die Partie und hat durch Gomis (17.), Sylla (18.) und El-Faouzi (24.) erste Torannäherungen. Ljubicic erhält ebenfalls Gelb, weil er Keidel herzhaft am Fuß trifft (25.). Während Keidel noch behandelt wird, läuft das Spiel weiter – und wie: Schalke hat Platz auf der rechten Seite, Ljubicic wird geblockt, der Abpraller landet bei Becker, dessen Flanke befördert El-Faouzi in bestem Klaus-Fischer-Style per Fallrückzieher zum umjubelten 1:1 in die Maschen (28.). „Soufiane El-Fischer“ scherzt ein Schalker erleichtert. Auch die Schalker Ersatzspieler, die sich gerade vor dem Block dehnen, purzeln jubelnd übereinander.

Für den angeschlagenen Keidel kommt Gyamerah; das Spiel wogt jetzt hin und her. Sanchez klärt vor Pherai (34.), Condé sieht Gelb für ein Foul gegen El-Faouzi (35.), Aouchiche setzt den fälligen Freistoß über die Mauer (36.) und Ndiaye bekommt Szenenapplaus für eine Supergrätsche gegen Petkov (40.). Mit 04 Minuten Nachspielzeit und einem bis dato leistungsgerechten Unentschieden geht es mit Applaus in die Kabinen.

Immer Ärger mit den Schiris

In der Pause gibt es einen erfolgreichen Heiratsantrag; die Schalkefans schwärmen derweil von El-Faouzis Tor und setzen auf eine weitere Leistungssteigerung im zweiten Durchgang.

Schalke kommt personell unverändert wieder aufs Feld; bei der SVE ersetzt Mokwa Torschütze Schnellbacher. Der Gästeblock stimmt „Stadionverbote halten uns nicht auf“ und „Für die Jungs die draußen steh’n“ an; Karius klärt vor Mokwa, auf der Gegenseite gelingt Kristof das Gleiche gegen Aouchiche – und dann gibt’s wie bereits in der ersten Halbzeit eine eiskalte Dusche für Königsblau: Petkov kommt im Laufduell gegen Ndiaye zu Fall und der bis dahin unauffällige Schiedsrichter Bacher gibt Gelb-Rot für Ndiaye, obwohl Petkov dem Schalker auf den Fuß getreten hat (51.).

Der VAR bleibt stumm, weil es „nur“ eine gelbe Karte ist, der Gästeblock möchte im Strahl kotzen, da ganz ungute Erinnerungen an das Spiel gegen Hannover wach werden, wo ebenfalls ein übereifriger Schiri und die daraus folgende lange Unterzahl den Sieg kosteten.  Muslic reagiert sofort und bringt den wieder genesenen Vitalie Becker für den bemühten, aber wirkungslosen Gomis (54.).

Sylla schießt Schalke auf Wolke 7

Doch die Schalker Mannschaft kneift die Arschbacken zusammen, während Muslic an der Seitenlinie schreit und dirigiert und belohnt sich wenige Minuten später durch Sylla nach Vorarbeit von Ljubicic in Unterzahl mit dem 1:2 (56.). Im Gästeblock brechen alle Dämme, kann mich bitte mal einer kneifen?

Nun ist eine wahre Endlosschleife von „S04, nur mit dir“ angesagt, beide Mannschaften kämpfen um jeden Zentimeter Rasen, ein Ball fliegt gar auf das Tribünendach der Heimkurve. Gantenbein kommt für Ljubicic; bei Elversberg ersetzen Schmahl und Adam Conde und Günther (69.); die Stadt erstrahlt in Blau und Karius fischt einen gefährlichen Schuss von Pherai aus der Ecke (71.(). Attacke!

Die Nerven liegen blank, hält Schalke durch oder fällt noch der Ausgleich? Paderborn ist im Fernduell ebenfalls wieder mit 4:3 in Führung gegangen… Singen ist bekanntlich gut gegen Angst und so wird „Wir lieben alle nur den FC Schalke, unsren Kumpel- und Malocherclub“ inbrünstig herausgebrüllt.

Schalke bringt die 3 Punkte über die Zeit

Pfeiffer ersetzt Poreba, Bachmann darf für Aouchiche ran, der unter Standing Ovations einmal halb ums Spielfeld traben muss (82.). Karius rettet zu „Wir rasten aus für deine Farben“ gegen Petkov (84.) und Rohr (90.), dann ist die reguläre Spielzeit um und es gibt fünf Minten Nachspielzeit, in denen Karius erneut vor Mokwa klären kann (90+5.). Die letzte Aktion gehört dann Sylla, der das 1:3 auf dem Schlappen hat, aber in letzter Sekunde geblockt wird. Da unmittelbar danach der Abpfiff ertönt und er unter einer Traube glücklicher Mannschaftskameraden begraben wird, wird er es verkraften.

Die Erleichterung ist riesig, auch beim gelbgesperrten Karaman, der seinen Vizekapitän Timo Becker gar nicht mehr loslassen möchte.  Die Mannschaft geht zunächst zum Mittelkreis zurück und stürmt dann wieder vor die Kurve und es heißt Party pur. Ein Tänzchen in Ehren kann keiner verwehren, Spitzenreiter, Spitzenreiter…! Der Traum von Liga 1 lebt weiter.

Durch den Dreier bleibt Schalke mit 58 Punkten Spitzenreiter vor Paderborn mit 57 Zählern. Dritter ist nunmehr Hannover 96 mit 53 Punkten vor der SVE, die unverändert 52 Zähler auf der Habenseite verbuchen kann. Dennoch erweisen sich Vincent Wagner und zahlreiche Fans der SVE als faire Verlierer und gratulieren zum Sieg. Mit so vielen guten Wünschen tritt die königsblaue Meute beflügelt den Heimweg Richtung Ruhrpott an. So sollte Fußball viel öfter sein!

Alle Fotos gibt es hier