Augsburg – Schalke 3:0: Kalte Dusche zum Erstligastart
31. August 2026Beim ersten Erstligaspiel nach über drei Jahren gibt es für den FC Schalke 04 beim FC Augsburg keinen Blumenpott zu gewinnen: Mit 3:0 (1:0) und einer roten Karte schicken die Fuggerstädter die Knappen nach Hause. Die 10.000 mitgereisten Fans spenden der Mannschaft trotzdem reichlich Applaus. Susanne Hein-Reipen war dabei…
Augsburg ist trotz der weiten Entfernung regelmäßig ein begehrtes Ziel der Schalker Auswärtsmeute, denn neben einer schönen Stadt mit vielen gemütlichen Gaststätten und Biergärten lockt das Programm des Fanprojekts „Augsburg Calling“. Und beim ersten Erstligaspiel nach drei Saisons im Unterhaus wollen sowieso alle dabei sein und so mischen sich bereits am Freitag erste Königsblaue ins Stadtbild; am Samstag sind die Biergärten unter blau-weißem Himmel fest in Schalker Hand, um sich gemeinsam mit einer Hopfenkaltschale auf das Spiel einzustimmen.
Die WWK-Arena ist vor der Stadt auf die grüne Wiese geworfen worden – wer dort stadionnah parken möchte, darf wie seit dieser Saison auch in Gelsenkirchen 10 € latzen. Eine „Wer zwei Stunden vorher kommt, parkt kostenlos“-Regel gibt es nicht, dafür sind die Parkplätze vernünftig befestigt und ausgesprochen freundliche Ordner sorgen für geordnete Zustände.


Andere Stadien, andere Sitten
Die Einlasskontrollen sind gründlich, das kulinarische Angebot von klassischer Wurst über Käsespätzle und Cevapcici-Burger bis zum Crêpe groß. Anders als bei früheren Besuchen muss der geneigte Gästefan auch keine FCA-Card mehr erwerben, alle gängigen elektronischen Bezahlmethoden werden akzeptiert. Auf den zahlreichen Bierzeltgarnituren mampfen Schalker und Augsburger einträchtig Seite an Seite vor sich hin; nur ein Herr mit einem äußerst kuriosen „Freundschaftsschal“ Blau-Weiß und Schwarz-Gelb sorgt für reichlich Erstaunen.
Der Stadionumlauf ist mit zahlreichen Bildern und Graffiti aus der Vereinsgeschichte geschmückt; die Begrüßung durch den Stadionsprecher – „schön, dass Ihr endlich wieder da sein!“ ist laut, aber herzlich, dazu gibt’s das Vereinslied „Blau und Weiß, wie lieb ich Dich“ in voller Länge. Anschließend wir Mads Pedersen mit einem gigantischen Blumenstrauß und „Wir sind alles Augsburger Jungs“ verabschiedet. Die Schalker Mannschaft stürmt, angeführt von Vizekapitän Becker, voller Elan auf den Platz.
Ein Einspieler mit Marionetten der berühmten Augsburger Puppenkiste prophezeit einen Heimsieg, die Gästekurve revanchiert sich mit einer dröhnend lauten Attacke. Dann marschiert der Kinderzug mit zahlreichen kleinen Augsburger und einigen Schalke-Kids um den Rasen, wobei der Schalker Nachwuchs vor dem Gästeblock gefeiert wird. Das arg laute „Glanz und Gloriaaaa, unser FCAAAA“ muss wohl sein.

Der Gästeblock ist heißer als Frittenfett
Es folgt die Schalker Aufstellung: Chefcoach Miron Muslic Aufstellung setzt auf Karius, Kurucay, Katic, T. Becker, V. becker, Schallenberg, El-Faouzi, Ljubicic, Aouchiche, Adamu und Sylla. Die Aufstellung der Hausherren versinkt hinter dröhnend lautem „Hurra, Hurra, die Schalker die sind da“. Endlich wieder erste Liga!
Die erste Chance geht an die Gastgeber: Kade überläuft Katic, Fellhauer verpasst den Querpass nur knapp (2.). Auf der anderen Seite hat Sylla eine Riesenchance zur Führung, doch Matsima rettet auf der Linie für den bereits umkurvten Dahmen (6.). Daach pariert dahmen stark gegen einen Kopfball von Schallenberg (7.). Schade!
Auf der heimischen Ulrich-Biesinger-Tribüne erscheint ein einzelner Bengalo mit einem Banner „Gegen Choreoverbote“, denn die Ultras der Legio Augusta hatten eine großflächige Choreo vorbereitet, die Nutzung der darin eingeplanten Papptafeln wurde jedoch kurzfristig verboten. Die Gästekurve skandiert derweil „Steht auf, wenn Ihr Schalker seid“ – und von der vom Spielfeld aus gesehen linken Seite der Haupttribüne über nahezu die komplette Südtribüne inklusive Gästeblock bis zur Mitte der Gegengerade springen Leute begeistert auf. Eine fünfstellige Zahl an Auswärtsfans ist bei einer Entfernung von knapp 600 Kilometern schon ein Brett! Auch Emile Mpenza, Stürmerstar der frühen 2000er, ist als Fan dabei.
Punkte gibt es für die Auswärtsfahrermeisterschaft jedoch nicht und so kämpfen die Mannschaften auf dem Feld weiterhin um die Vorherrschaft. Dem FCA gelingt durch Fellhauer nach Doppelpass von Rieder und Gregoritsch zwar ein Tor, doch der Schütze stand beim finalen Steckpass klar im Abseits.


Augsburg geht in Führung
Der Gästeblock lässt lautstark die Stadt in Blau erstrahlen und beschwört „Für deine Farben“; Dahmen klärt gegen Adamu (15.), Sylla verpasst eine Hereingabe von Ljubicic (16.) – und dann ist es passiert: Bei einem Abwurf gibt es ein Missverständnis zwischen Karius und Ljubicic, Kade geht dazwischen und an T. Becker vorbei und bedient Gregoritsch – wie so oft ein Ex-Schalker. Das 1:0 in der 18. Spielminute.
Kurz darauf klärt Karius erneut vor Kade (20.), Rieder sieht die erste gelbe Karte des Spiels (22.). Der Schalker Anhang skandiert „Auf geht‘s Schalke kämpfen und siegen“ und „Um die halbe Welt sind wir gefahr’n“, doch Augsburg wird nun zunehmend stärker und erspielt sich mehrere Ecken. Karius muss mehrmals gegen Kade und Rieder retten.
Bei einem Schalker Eckball verpassen Adamu und Sylla den Ausgleich (34.), Dahmen schnappt sich einen weiteren Pass (41.). in der 41. Minute dann die Großchance für Aouchiche, aber sein Abschluss der schönen Vorarbeit von Sylla gerät zum Schüsschen. in der einminütigen Nachspielzeit schnappt sich Dahmen noch einen Abschluss von Aouchiche, dann geht es mit der Augsburger 1:0-Führung zum Pausentee.

Hoffnung auf die zweite Halbzeit
Im Gästeblock herrscht Optimismus, dass Schalke in der zweiten Hälfte zumindest noch den Ausgleich schafft; „Dzeko kommt und regelt das“. Beide Teams starten zunächst personell unverändert in die zweite Halbzeit, akustisch unterlegt mit einer Attacke, „Stadionverbote halten uns nicht auf!“ und „Für die Jungs die draußen steh’n“.
Auf dem Rasen geht es mit Augsburger Ecken und Paraden von Karius weiter, Entlastungsangriffe von Königsblau haben aktuell Seltenheitswert. Die Kurve steht unverändert weiter mit „Schalke und der FCN“, „Königsblauer S04“ und „Geh‘n mit dir auf jede Reise“ hinter den 11 Jungs auf dem Rasen. Die Augsburger Tribüne zeigt ein Solidaritätsbanner mit der Aufschrift „Einer von uns, einer für immer/Durchbeißen Mo/Nichts kriegt Dich klein“.


Rot für Schallenberg
Nach einer guten Viertelstunde versucht Muslic, das Ruder herumzureißen und bringt mit Gosens, Dina Ebimbe und Wöber für V. Becker, Adamu und Kurucay drei frische Spieler (62.). Doch in den Mittelpunkt geraten nicht die Joker, sondern Schallenberg, der nach einem weiteren Steckpass der Augsburger Gregoritsch unsanft zu Boden bringt und wegen einer Notbremse mit glatt Rot duschen gehen darf. Der VAR bestätigt die Entscheidung, der Gästeblock schreit „Ihr macht uns‘ren Sport kaputt!“.
Anschließend folgt eine Langzeitschleife von „Immer wieder S04“, während sich die zehn Schalker auf dem Platz redlich bemühen, aber nicht verhindern können, dass Augsburg dem Tor immer näher kommt. Karius hat alle Hände voll zu tun. Beide Fanlager machen nun ordentlich Alarm für ihr Team. S! 0! 4!

Dzekos Einwechslung kommt zu spät
In der 76. Minute kommt der ersehnte Dzeko für Katic auf den Platz, bei Augsburg ersetzt Komür Fellhauer. Doch bevor der bosnische Superstar entscheidend ins Spiel eingreifen kann, erhöht Kade nach einem Fehlpass von Wöber mit freundlicher Unterstützung des Innenpfostens auf 2:0 (79.).
Karius klärt gegen Joker Komür (82.), dann kommen mit Ribeiro und Keitel (für Gregoritsch und Rieder) und Ayhan für Aouchiche weitere Spieler zum Einsatz, gefolgt von Seol und Gouweleeuw für Wolf und Brackelmann. Der Gästeblock stemmt sich mit „Wir rasten aus für deine Farben“ gegen das Schicksal.
Es gibt drei Minuten Nachspielzeit, in denen der von den Schalkern nicht an die Kette zu legende Kade noch das 3:0 einleitet: Über Joker Seol kommt der Ball zu Ribeiro, der Karius aus halbrechter Position verlädt (90+2). Kurz darauf ertönt der Abpfiff.


Der rauhe Wind der ersten Liga
Die Stimmung beim vielköpfigen Schalker Anhang ist bescheiden, weil sich viele von der heißersehnten Erstligarückkehr mehr erhofft hatten, dennoch wird die Mannschaft mit deutlichem Applaus bedacht, als sie mit hängenden Köpfen vor die Kurve tritt. Die Augsburger feiern derweil auf der anderen Seite ihre Sieger.
Auf dem langen Rückweg Richtung Ruhrpott ist man sich weitgehend einig, dass die Mannschaft für die erste Liga noch mehr Tempo und Abgezocktheit braucht. Ins gleiche Horn stößt Muslic auf der PK: „Der Sieg für Augsburg geht absolut in Ordnung. Aber wir waren in der ersten Halbzeit gut im Spiel, hatten selbst drei, vier gute Gelegenheiten und wichtige Momente. … Wenn man hier was mitnehmen will, muss man die Chancen nutzen, das ist das größte Learning für uns hier. Die Bundesliga verlangt ein anderes Level an Wachsamkeit, aber die Jungs haben Lust darauf, zu lernen und sich weiterzuentwickeln.“
Mit dem FC Bayern wartet im Topspiel des kommenden Samstags die ultimative Herausforderung für die Weiterentwicklung…

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