Darmstadt – Schalke 1:1: Fans feiern wichtigen Auswärtspunkt bis in die Nacht
22. März 2026Der SV Darmstadt 98 und der FC Schalke 04 liefern sich im Spitzenspiel des 27. Spieltags einen intensiven Schlagabtausch, der in einem leistungsgerechten 1:1 (1:1) endet. Die 3.000 mitgereisten Schalker Fans, deren Geduld beim Einlass auf eine harte Probe gestellt wird, feiern die Mannschaft noch bis weit in die Nacht hinein mit Schalke 04 olé olé-Gesängen. Susanne Hein-Reipen ist heiser, aber zufrieden…
Auswärts in Darmstadt heißt Waldspaziergang, denn der Gästeblock des Stadions am Böllenfalltor ist nur durchs Grün zu erreichen. Und das ist auch gut so, denn Grün soll nach der FengShui-Lehre ja beruhigend wirken. Gute Nerven kann man als Schalker ohnehin immer brauchen, aber an diesem Abend wird die Geduld gleich mehrfach strapaziert: Als das Tor zum Vorplatz des Gästeeingangs aufgeht – das Stadion selber wird erst 90 Minuten vor Anpfiff geöffnet -, drängen sich hunderte Schalker zur angekündigten Anwesenheitskontrolle, aber es ist noch niemand da, diese abzunehmen. Als die Damen mit den grellgrünen Westen schließlich herbeieilen, werden sie mit einer Mischung aus Meckern und Freude begrüßt.
Schikanen am Eingang
Danach drängt sich die Meute vor dem eigentlichen Eingang. Um 19 Uhr (und keine Sekunde eher!) öffnen sich zwar die Tore, aber es geht nur in absolutem Schneckentempo voran. Gefährliche und absolut nicht fluchtwegkonform aufgestellte „Wellenbrecher“ sorgen für zusätzliches Gedränge. Die Beleuchtung ist so mies, dass man nicht sehen kann, wo man hintritt, was bei einigen, die über die zahlreichen Ausläufer der Wellenbrecher stolpern, für Panik sorgt. Erstaunlich, dass ein Verein wie Darmstadt mit zahlreichen fanfreundlichen und sozialen Aktionen Besucher wie Vieh zusammenpfercht! Vielleicht sollte man die dritte Reihe der Ordner, die einfach nur böse dreinschauend in der Landschaft rumstehen, auch für die Kontrollen einsetzen? Auch die mehr als reichlich vorhandenen Polizisten gucken sich das Chaos ungerührt an.






Die Durchsage der Schalker Aufstellung erreicht die meisten Fans daher noch im Gedränge. Mit Karius, Ndiaye, Kurucay, Katic, Becker, Schallenberg, El-Faouzi, Aouchiche, Karaman, Ljubicic und Sylla stehen außer dem rotgesperrten Dzeko die Spieler aus der Startelf gegen Hannover auf dem Rasen.
Eine kleine Entschädigung für die Strapazen liefern die köstlichen Feuerwürste vom Holzkohlengrill, dann geht es endlich Richtung Block. Ziemlich genau zum Anpfiff erreichen die letzten Schalker den Innenraum.
Für uns’ren Traum von Liga 1
Der bestens gefüllte Gästeblock macht sich mit „Dem Traum von Liga 1“ warm, bevor die Stadionregie versucht, mit „SVD allez les Bleus“ vom Band – die Lautsprecher hat man offenbar bei der sonst durchaus gelungenen Renovierung des Böllenfalltors vergessen – alles zu übertönen. „Tote Hosen bei temu bestellt?!“ ätzt ein Schalker angesichts der Ohrenfolter und erntet viel Zustimmung.
Auch die Aufstellung der Lilien wird hinausgekreischt, dann gibt es mit „Untertiteln“ und Gebärdensprache den Song „Oh Lilien“, während die Mannschaften einlaufen. Da die Hausherren Blau-Weiß tragen, treten die Schalker in den knallorangenen Ausweichtrikots an.
Als die Lautsprecher endlich schweigen, startet der Gästeblock mit „Hurra, hurra, die Schalker die sind da“ und dem „Kaiser im Revier“ den Non-Stop-Support. Von der Jonathan-Heimes-Tribüne weht „S–V–D!“ herüber. Auf dem Rasen geht es ab der ersten Minute knüppelhart zur Sache; Katic bekommt den Stollen von Maglica ins Gesicht und wird verpflastert.






Kampf um jeden Meter
Beide Teams sind sichtlich hochmotiviert, aber Schalke erwischt bei den sehr heimstarken Darmstädtern den besseren Start und hat durch Karaman (3., 4.) und Sylla (10., 11.) erste Torannäherungen. Der erste Torschuss der Hausherren datiert aus der 14. Minute: Hornby setzt einen Kopfball neben das Tor von Karius. Im Gegenzug verpasst Ljubicic nach Vorarbeit von Sylla die Führung, sein Schuss ist etwas zu hoch (15.).
Den Schalkefans gefällt der beherzte Beginn ihrer Mannschaft natürlich und sie setzen zu einer lautstarken Version von Oppa Pritschikowski an, doch die zahlreich hochgereckten Schals sinken nach der ersten Strophe wieder herab, denn der Ball liegt im Tor von Karius (18.). Vorangegangen war eine Ecke des SVD, nach der Nürnberger Ndiaye über den Haufen rennt und abschließt, Karius kann nur klatschen lassen; Katic will den Ball klären, trifft aber den sich am Boden krümmenden Ndiaye, von dessen Rücken titscht der Ball ins Tor. Der Stadionsprecher eskaliert, die Schalker protestieren und Schiedsrichter Robert Hartmann schreitet zum VAR-Monitor. Danach zeigt er klare Kante und lässt mit „Es lag ein KLARES Foul im Vorfeld vor!“ keine Spekulationen offen.
Der Gästeblock ist mächtig erleichtert und lässt die Stadt in Blau erstrahlen. Kurz darauf vertritt sich Marseiler ohne Fremdeinwirkung böse und muss nach längerer Behandlung auf der Trage vom Platz gebracht werden, für ihn kommt kurz darauf Corredor (29.).
Freud und Leid nah beieinander
Die Partie ist jetzt ausgeglichen und intensiv; beide Teams zeigen, dass sie zu Recht oben mitspielen. Der Gästeblock arbeitet sich munter durch das Liedgut „S!0!4!“, „Um die halbe Welt sind wir gefahr’n“, „Auf geht’s Schalke kämpfen und siegen“ und die Attacke sind angesagt. Katic (29.), Aouchiche (42.) und Ndiaye (42.) kommen dem Darmstädter Kasten nahe, aber der Führungstreffer bleibt Sylla vorbehalten: Nach einer Ecke köpft Becker an den rechten Pfosten, der Ball prallt zurück und der Stürmer reagiert am schnellsten. Das 0:1 in der 44. Minute; der Jubel im Gästeblock ist riesig, das Bier fliegt bis in das Fangnetz und der „Traum von Liga 1“ wird mit doppelter Lautstärke rausgebrüllt.
Aber ganz ohne Drama geht es bei Schalke bekanntlich nicht und so folgen in der siebenminütigen Nachspielzeit nicht nur jeweils eine gelbe Karte für Becker und Karaman, sondern auch eine kalte Dusche in Gestalt des Ausgleichtreffers durch Lidberg (45+5.), der nach Vorarbeit von Pfeiffer aus der Drehung zum 1:1 trifft.






Das 1:1 ist dann auch der Pausenstand. Zur Pausenbelustigung versuchen drei Fans in einen überdimensionalen Bierkasten zu treffen, um 120 Liter Freibier zu gewinnen; der Gästeblock diskutiert derweil über den ärgerlichen späten Ausgleichstreffer. „Nachspielzeit können wir irgendwie nicht!“. Insgesamt sind die Fans aber durchaus angetan von der kämpferischen Leistung im ersten Durchgang.
Geh’n mit Dir auf jede Reise
Die „Temu Toten Hosen“ singen mit viel Pathos etwas von „wenn ich sterbe“; der Gästeblock hält mit dem Königsblauen S 04“ dagegen. Die Schalker Spieler kommen vor ihren Konkurrenten wieder auf den Rasen, während sich der Stadionsprecher über ein mit 17.800 Zuschauern restlos ausverkauftes Haus freut.
Schallenberg muss nach einem unbeabsichtigten Zusammenprall mit Corredor behandelt werden, kann aber weiterspielen (53.). Das Spiel besteht nun hauptsächlich aus Darmstädter Ecken, die Schalke jedoch mit tatkräftiger Hilfe von Karius samt und sonders verteidigt bekommt. Schuhen klärt stark gegen Becker (57.), auf der Gegenseite kauft Karius dem frei auf ihn zulaufenden Hornby mit einem tollen Reflex den Schneid ab (62.). Auch in der 76. Minute bleibt der Schalker Keeper Sieger gegen einen Schuss des Stürmers aus spitzem Winkel.
Der Gästeblock singt unermüdlich weiter, „Geh‘n mit dir auf jede Reise“, „Für Deine Farben leben und sterben wir“ und „Kohle unter unsern Füßen“ sind angesagt. Muslic bringt nun Bachmann und Gomis für Sylla und Ljubicic (79.). Kurz darauf reißen bereits die ersten Schalker die Arme hoch, aber Schuhen fängt Beckers satten Distanzschuss ab (82.).






Gomis strapaziert die königsblauen Nerven
Auch SVD-Coach Kohfeldt nimmt nun einen Doppelwechsel vor und ersetzt Richter und Nürnberger durch Schmidt und Petretta (83.). Dann macht Gomis seinem Ruf als Chancentod alle Ehre und vergibt völlig freistehend weit über das Tor (84.). das hätte eigentlich die Führung sein müssen!
Auf der Gegenseite schnappt Karius Lidberg einen Ball vor der Nase weg. In der dreiminütigen Nachspielzeit passiert außer einer gelben Karte für Klefisch wegen eines Fouls an Katic nicht mehr viel; beide Teams können mit dem leistungsgerechten 1.1 leben und die Sorge zahlreicher Fans vor einem erneuten späten Gegentreffer bewahrheitet sich nicht. Beim Abpfiff gibt es Applaus von allen Seiten.


Fans feiern wichtigen Auswärtspunkt bis in die Nacht
Der Gästeblock hat bereits vor der Nachspielzeit eine Dauerschleife von „Schalke 04, olé olé“ gestartet, die unbeirrt fortgesetzt wird – nicht nur für den Dank der Mannschaft an die Fans, sondern bis 45 Minuten (!) nach Abpfiff. Muslic, der bereits am Anfang demonstrativ Dank für den Support gezollt hat, kommt erneut vor die Kurve, ballt die Faust, klopft sich demonstrativ auf das königsblaue Herz und wird bejubelt. Endlich ein Coach, der wie die Faust aufs Auge zu Schalke passt.
Durch den Punktgewinn bleibt Schalke mit 52 Punkten Tabellenführer, dicht gefolgt von Elversberg und Paderborn mit jeweils 51 Zählern. Darmstadt belegt mit 50 Punkten Rang 4, Hannover folgt mit 49 Zählern – so eng und spannend war es selten!

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