Schalke – Mainz 0:1: Karius rettet Schalke vor einer Klatsche

Schalke – Mainz 0:1: Karius rettet Schalke vor einer Klatsche

18. Oktober 2026 0 Von Susanne Hein-Reipen

Der FC Schalke 04 verliert das Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 mit 0:1 (0:1) und kann sich bei Keeper Loris Karius bedanken, dass die Niederlage nicht deftiger ausfällt. Sorgen bereitet den Schalker Fans, die trotz des mauen Spiels 90 Minuten Dauersupport liefern, vor allem die extrem harmlos Offensive. Susanne Hein-Reipen berichtet…

Samstag 15:30 Uhr, das gab es in der Veltins-Arena viel zu lange nicht mehr. Entsprechend groß ist die Vorfreude der Schalker, die in den mit 62.250 Fans ausverkauften Tempel pilgern. Die druckfrischen Nordkurvenkalender der Ultras Gelsenkirchen finden reißen Absatz, auch der Adventskalender der Hugos ist begehrt.

Das Veltins Fanspiel ist torreich wie selten, am Ende schlagen die Weserknappen die Flensburger Knappen mit 7:6 – ein gutes Omen für das erste Bundesliga-Heimtor der Saison…? Die Platzbegehung erfolgt in leuchtend blauen Trainingsanzügen, während das Vorprogramm mit dem „Nachhaltigkeitsspieltag“ und dem „Song des Spieltags“ – heute „Stop crying your heart out“, ins Rennen geworfen von Abwehrkante Nikola Katic – langsam Fahrt aufnimmt.

Traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast

Das Torhütertrio und kurz darauf die Mannschaft werden nach der knappen Niederlage in Freiburg mit Applaus begrüßt. Nach den Ergebnissen der Frauen- und Knappenschmiedeteams gibt es die Aufstellung der Gäste aus Mainz, bei denen der Ex-Schalker Schwolow im Tor steht. Die Statistiken sehen nicht nur gut, sondern geradezu super aus: Schalke ist nicht nur saison- und ligaübergreifend seit 16 Heimspielen ungeschlagen, sondern hat seit siebeneinhalb Jahren nicht mehr gegen Mainz verloren.

Bei keinem Heimspiel fehlen dürfen das Vereinslied „Blau und Weiß, wie lieb‘ ich Dich“ und das Steigerlied, dann verliest Stadionsprecher Kevin Gerwin die Aufstellung so laut, dass es vermutlich noch in Lüdenscheid-Nord zu hören ist: Es beginnen Karius, T. Becker, Katic, Kurucay, Gantenbein, El-Faouzi, Tanaka, Gosens, Karaman, Aouchiche und Dzeko.

Karius gegen Mainz

Das übliche Abtasten nach dem Anpfiff fällt aus, stattdessen muss Karius bereits nach wenigen Sekunden sein ganzes Können zeigen, um einen Schlenzer von Sheraldo Becker aus dem Eck zu kratzen (1.). Auch der Nachschuss von Lee (1.) und ein weiter Abschluss von Becker (2.) enden beim Schalker Schlussmann. Puh!

Die Nordkurve findet nach dem ersten Schrecken ihre Stimme wieder und stimmt „S! 0! 4!“, „Hier regiert der S04!“ und „Steht auf, wenn Ihr Schalker seid“ an. Der Gästeblock ist zu diesem Zeitpunkt zwar komplett in Rot recht gut gefüllt, jedoch gibt es weder Banner noch Fahnen noch akustischen Support.

Eine erste Ecke für Schalke bringt nichts ein (5.), auch weitere zaghafte Vorstöße landen in der Mainzer Abwehr oder bei Schwolow. Der Keeper verpasst Katic eine Kopfnuss, auf der anderen Seite holen sich Karius und Posch ein paar blaue Flecken. Die Nordkurve fordert „Vorwärts Schalke, kämpfen und siegen“ und schwört „Schalke, ich bin für dich geboren“ – und spuckt kurz darauf Gift und Galle, denn über Sano und Caci kommt der Ball an den Fünfmeterraum, wo Tietz sich gegen Katic durchsetzt und das 0:1 erzielt und sehr demonstrativ vor der Kurve jubelt (24.).

Schalker Sturm ist nur ein laues Lüftchen

Die Schalker sind nun bemüht, das Tor wettzumachen, können den Mainzer Kasten aber nicht ernsthaft in Bedrängnis bringen, dazu sind die Bemühungen viel zu harmlos. Stattdessen muss sich erneut Karius ordentlich strecken, um einen Distanzschuss von S. Becker (32.) und einen Flachschuss von Tietz (34.) abzuwehren. Die Nordkurve versucht, mit „Auf geht‘s Schalke kämpfen und siegen“, „Für deine Farben“ und der Attacke etwas Schwung reinzubringen, doch die anderen Tribünen sind recht passiv.

Immerhin: Kurz vor der Halbzeit marschiert dann auch die Mainzer Fanszene ein und gibt erste hörbare Lebenszeichen ab. Sie sehen zwei gelbe Karten für Amiri und Sano, die sich regelwidrig an Tanaka abarbeiten und eine verdiente Pausenführung ihrer Mannschaft. Die Heimfans nutzen die einminütige Nachspielzeit, um ihrem Team „Auf geht‘s Schalke kämpfen und siegen“ mit auf den Weg zum Pausentee zu geben.

Die Experten am Bierstand schwanken zwischen „Datt wird noch, Miron nordet die jetzt ein“ und „wir können hier noch drei Tage spielen, wer soll das Tor schießen?“. Für die Abteilung Fanbelange plaudert Thomas „Kirsche“ über die Nordkurven- und Adventskalender, die Sonderausstellung „25 Jahre Veltinsarena“ im Vereinsmuseum und die anstehende Auswärtsfahrt nach Köln.

Der Gästeblock zündelt

Zum Wiederanpfiff gibt’s Grüße nach Enschede und „Geh‘n mit dir auf jede Reise“, während der Gästeblock Pyrotechnik im Dutzend billiger auspackt: Unter dem Motto „Feel the rage of a new generation“ wird das 20jährige der “Subciety“ 2006 – 2026 mit viiiiiel rotem Rauch und etlichen Stroboskopblitzen begangen. Der Qualm nebelt danach fast die ganze Arena ein.

Auf dem Rasen fehlt Schalke ebenfalls noch ein wenig der Durchblick, die Stürmer bekommen gegen die Mainzer Abwehr kein Bein auf den Boden. Dzeko zieht sich bei einem Zusammenstoß eine blutende Platzwunde am Kopf zu und wird durch Hwang ersetzt, Gantenbein muss Dina Ebimbe weichen. Ansonsten bleibt es dabei: Nordkurve singt („Steht auf“ und „Schalke nur du alleine“), Gästeblock zündelt.

Schalke spielt nun etwas besser mit als in der ersten Halbzeit, doch die Schüsse von Gosens und Dina Ebimbe (63.) werden rechtzeitig geblockt. In der 69. Spielminute tritt Kurucay im Strafraum ein Luftloch, im direkten Gegenzug marschiert S. Becker wieder alleine auf Karius zu, der macht sich groß und der Stürmer verzieht den Ball am langen Eck vorbei. Der Einzige, der noch richtig gute Laune hat, ist Maskottchen Erwin, der an der Seitenlinie unermüdlich den Eintänzer mimt.

Karius in den Sturm…

Mit einem weiteren Doppelwechsel bringt Muslic Wöber für den angeschlagenen Katic und Adamu für Aouchiche (71.), die königsblaue Ein-Mann-Armee besteht jedoch weiterhin aus Karius, der gegen S. Becker einmal mehr die Nachlässigkeiten seiner Vorderleute ausbügeln und den Ball an der Strafraumkante weggrätschen muss (72.). Sein Gegenüber, das den bedeutend ruhigeren Nachmittag hat, klärt gegen Tanaka (74.).

Zu den Klängen der „Asozialen Schalker“ bringt dann auch Mainz-Coach Urs Fischer frisches Personal, Becker macht Platz für Königsdörffer, Nebel ersetzt Lee (74.). Karaman köpft einen Freistoß von Kurucay genau in die Arme von Schwolow (78.); Vitalie Becker kommt für Gosens (80.).

Die Nordkurve versucht es jetzt mit „Steht auf“ und „Immer wieder S04“; die Mannschaft bemüht sich, aber mehr als ein Distanzschuss von El-Faouzi (81.) und ein Schuss von Hwang (85., kein Problem für Schwolow) springt dabei leider nicht heraus. Mit weiteren drei Wechseln nimmt Fischer zusätzlich Zeit von der Uhr, Muslic versucht verzweifelt, die Mannschaft nach vorne zu treiben, aber auch in der fünfminütigen Nachspielzeit gibt’s außer einem Freistoß nichts zu holen, obwohl Loris Karius mit nach vorne stürmt. Es bleibt beim 0:1.

Auf geht’s Schalke kämpfen und siegen!

Nach dem Schlusspfiff ist die Mannschaft sichtlich enttäuscht, während die Mainzer Spieler ausgelassen feiern. Auch der Nordkurve fällt der Applaus schwerer als in der Vorwoche, wo Schalke in Freiburg einen über weite Strecken ordentlichen Auftritt ablieferte – nach kurzem Klatschen gibt es die lautstarke Aufforderung „Auf geht’s Schalke kämpfen und siegen!“, dann wird direkt gegen den nächsten Gegner geschossen. „H*rensöhne Effzeh“…

Schalke rutscht durch die Niederlage mit unverändert 5 Punkten nach nunmehr sechs Partien auf Rang 14, der nächste Gegner ist 2 Plätze und 2 Punkte besser, Mainz kann sich über 10 Punkte und Platz 5 freuen. Miron Muslic ordnet das Spiel in der Pressekonferenz richtig ein: „Ich kann Mainz 05 zu einem verdienten Sieg gratulieren. (…) Wenn du dann 65 Minuten gefühlt keinen Zweikampf gewinnst, wird es extrem schwierig. (…) Du musst dann über unsere Schalker Tugenden zurückkommen: Über Aggressivität, Zweikampfstärke und Willen. Das haben wir erst ab der 65. Minute geschafft, was zu spät ist. Bis dahin hätte Mainz die Führung ausbauen können, Loris Karius hat uns mehrfach exzellent im Spiel gehalten. In den letzten 20 bis 25 Minuten haben wir eine Reaktion gezeigt und die Duelle angenommen und gewonnen. Wir müssen nun einfach lernen, lernen, lernen. Das ist als Bundesliga-Aufsteiger ganz normal.“

Alle Bilder gibt’s hier