Freiburg – Schalke 2:1: In Überzahl verzockt, trotzdem Applaus
12. Oktober 2026Der FC Schalke 04 verliert nach der langen Länderspielpause durch ein spätes Gegentor trotz Überzahl beim neuen Spitzenreiter SC Freiburg mit 2:1 (1:1). Die rund 5.000 Schalker Fans im Europa Park Stadion schlucken jedoch ihren Frust runter und spenden der enttäuschten Mannschaft und dem sichtlich wütenden Trainer Miron Muslic nach dem Schlusspfiff Applaus. Susanne Hein-Reipen berichtet…
Freiburg erfreut sich bei der königsblauen Auswärtsfahrermeute großer Beliebtheit und so tauchen bereits ab Freitag königsblaue Farbtupfer in der schönen Stadt auf, die sich ganz nach dem Motto „ein Schalker kommt selten allein“ schnell vermehren. Ob in den urigen Lokalen der Altstadt oder am Münster gilt: Hurra, hurra, die Schalker die sind da! Nur die beliebten Bächle sind mehrheitlich dem niedrigen Wasserstand der Dreisam zum Opfer gefallen und liegen trocken; die badischen Biere schmecken aber auch ohne aufmunterndes Plätschern.
Entsprechend gutgelaunt geht es am Sonntag Richtung Europa Park Stadion, das anders als das gute alte Dreisamstadion nicht mehr direkt hinter einem Wohngebiet, sondern „jwd“ an Messe und Campusflugplatz liegt. Parkplätze gibt’s nur mit Vorbestellung, also latschen Schalker und Freiburger einträchtig von der S-Bahn-Haltestelle Richtung Stadion. Der Außenbereich hat seit dem letzten Erstligaabstecher der Knappen deutlich in puncto Verpflegung und Sitzgelegenheiten gewonnen. Auch innen punkten die Badener nach sehr gründlicher Einlassprozedur mit blitzeblanken Toiletten, perfekt organisierten Imbissständen und ausnehmend freundlichem Servicepersonal. An jedem Blockeingang stehen mindestens drei Ordner, die dafür sorgen, dass man tatsächlich nur mit dem entsprechenden Ticket reinkommt.


„Schalke ist endlich wieder zurück im Fußball-Oberhaus“
Bereits bei der Platzbegehung werden die Schalker Spieler mit Applaus empfangen, Muslic grüßt die Fans in der Kurve. Auch der Stadionsprecher freut sich über die Invasion aus dem Pott: „Schalke ist endlich wieder zurück im Fußball-Oberhaus!“
Zur Überbrückung der Wartezeit flimmern die „SC Classics“ über die Anzeigetafeln, heute mit einem Rückblick auf die Grundsteinlegung für das Freiburger Nachwuchszentrum im Jahr 2000. Der königsblaue Anhang feiert derweil das Torhütertrio und die Mannschaft. Auch die Vorstellung des „Arbeitskreis Leben Freiburg“ leidet ein wenig unter lautstarken „S! 0! 4!“ und „Hier regiert der S 04!“-Gesängen.
Nach der Schalker Aufstellung – Miron lässt zunächst Karius, Kurucay, Katic, Wöber, El-Faouzi, Tanaka, Gantenbein, Gosens, Sylla, Karaman und Adamu ran – folgt das bei Spielen im schönen Baden unvermeidliche Badnerlied, anders als in Hoffenheim auch ohne Untertitel textsicher, und „SC Freiburg vor“. Tief im Süden isch unser Platz…
„Selbst für arbeitslose Schalker ist So 17:30 ziemlich asozial“
Danach folgt die Aufstellung der Hausherren, dann kommen die Mannschaften auf den Platz und die Gästekurve zelebriert direkt den „Königblauen S 04“ und „Schalke nur Du alleine“. Auf dem Rasen schenken sich die Teams nichts und beharken sich in intensiven Zweikämpfen, die Ginter und Kurucay direkt einige Schmerzen bescheren.
Schmerz im Gästeblock verursacht dann auch eine Ecke für Freiburg: Ginters Kopfball kann Karius noch nach vorne parieren, gegen Eggesteins Nachschuss ist dann kein Kraut mehr gewachsen und es steht 1:0 (10.). Die Schalker Fans schütteln sich einmal kurz und stimmen sofort den Wechselgesang Schalke! – Nullvier! zwischen Unter- und Oberrang an.
Die Heimkurve entrollt derweil ein langes Banner „Selbst für arbeitslose Schalker ist So17:30 ziemlich asozial“, schönen Dank auch. Um die halbe Welt sind wir gefahr’n…


Gantenbein mit dem umjubelten Ausgleich
Schalke beißt sich nun besser in die Partie; Kurucay blockt einen Abschluss von Matanovic (18.). Die Freiburger gratulieren den befreundeten „Predators Zürich“ zu „10 Jahre rücksichtslos für den ZSC – Alles Gute Predators ZH“, der Gästeblock geht mit Schalke auf jede Reise – und darf dann jubeln, denn nach der ersten Schalker Ecke steht Gantenbein genau richtig, um den von Backhaus nach vorne geklatschten Ball reaktionsschnell im Netz zu versenken. 1:1 in der 30. Minute, das hebt die ohnehin gute Stimmung in den Gästeblöcken noch einmal deutlich an und es wird eine Endlosschleife von „S04 du ganz allein bist ohne Frage die Nummer 1 aus dem Revier“ gestartet.
Die folgende Viertelstunde bis zur Pause entwickelt sich ein ausgeglichenes und ansehnliches Fußballspiel und es geht mit drei Minuten Nachspielzeit und Applaus zum Pausentee. Beim königsblauen Anhang herrscht Zufriedenheit über den über weite Strecken ordentlichen Auftritt; mehrfach ist „das darf gerne der Endstand sein“ zu hören, denn bei den letzten Auftritten in Freiburg gab’s immer deftig auf die Mütze.
Der zweite Durchgang beginnt personell unverändert und mit den Klassikern „Stadionverbote halten uns nicht auf“, „Für die Jungs die draußen steh’n“ und „Steht auf, wenn Ihr Schalker seid“. Das Spiel geht unverändert intensiv weiter, Suzuki (49.) und Ginter (58.) sehen jeweils Gelb. Nach einer Schalker Ecke hat der Gästeblock bereits den Torjubel auf den Lippen, doch Matanovic kann einen Kopfball von Wöber noch an die eigene Latte ablenken (60.). Musikalisch sind „Kohle unter unsren Füßen“ und „Eine Stadt erstrahlt in Blau“ angesagt.
10 Freiburger vernaschen 11 Schalker
In der 64. Minute latscht der bereits verwarnte Suzuki herzhaft auf El-Faouzis Fuß und darf unter höhnischen „Auf Wiedersehn!“-Rufen der Schalkefans vorzeitig mit Gelb-Rot duschen gehen. Freiburg-Coach Schuster beeindruckt das nur am Rande, er bringt mit Höler für Matanovic trotzdem einen frischen Stürmer (67.). Eine Behandlungspause von Beste später folgt Muslic mit Schallenberg für Tanaka und Dzeko für Adamu (69.), bei Freiburg ersetzen Irie und Goto Beste und Engelhardt.
Die Fans aus dem Ruhrpott hoffen nun natürlich, dass Schalke in Überzahl den Lucky Punch setzen kann und stimmen lautstark „Auf geht‘s Schalke kämpfen und siegen“ und „Immer wieder S 04“ an. Die Hoffnung treibt offenbar auch Muslic um, denn er wechselt gleich Dreifachwechsel und will mit Becker, Hwang und Aouchiche das Glück erzwingen, für sie müssen Wöber, Sylla und Gantenbein weichen (79.). Auch Schuster schöpft mit Kübler und Grifo für Treu und Scherhant das Kontingent aus.
Leider entpuppen sich Freiburgs Joker als stichhaltiger: Flanke Grifo, Kopfball Goto, 2:1 in Unterzahl (84.). Sch….ade. Die Freiburger grüßen damit wieder von der Tabellenspitze und lassen in der restlichen Spielzeit einschließlich der fünfminütigen Nachspielzeit keine entscheidende Schalker Aktion mehr zu.


Miron Muslic ist sauer – auf sich selbst
Der Jubel auf Seiten der Freiburger ist verdientermaßen groß; die Schalker Spieler hingegen schleichen mit hängenden Köpfen in die Kurve, die trotz des eigenen Frustes noch deutlichen Applaus für den kämpferisch guten Auftritt spendet. Muslic ist sichtlich angefressen – wie sich später in der Pressekonferenz herausstellt, jedoch nicht auf die Mannschaft, sondern in erster Linie auf sich selbst: „Nach dem Platzverweis verlieren wir unsere Statik, und das muss ich auf meine Kappe nehmen, weil wir in den letzten 15 Minuten vielleicht zu mutig, zu gierig waren.“
Die Punkte bringt das natürlich nicht zurück, aber aus Fehlern kann man lernen… Schalke steht nunmehr mit 5 Zählern auf Rang 13 und hat im kommenden Heimspiel gegen Mainz zur besten Bundesligaspielzeit Samstag 15:30 Uhr die Gelegenheit, wieder weiter nach oben zu klettern.


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